Der zuletzt gelieferte Be 6/10 189 im August 2019 unterwegs zwischen Witterswil und Ettingen.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. –)

Nach der Jahrtausendwende zeichnete sich sowohl bei der Baselland Transport AG (BLT) als auch bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) ab, dass ab etwa 2008 eine grössere Anzahl älterer Strassenbahnwagen abzulösen waren. Insgesamt beabsichtigte die BLT den Kauf von 37 Wagen der 45-m-Klasse. Bei den BVB betrug der Bedarf 15 bis 17 Fahrzeuge. Bei der BLT zu ersetzen waren die

Die BVB sahen Handlungsbedarf bei den

Nach intensiven Vorabklärungen unter Einbezug der Erfahrungen, welche die BVB einige Jahre zuvor mit der COMBINO-Beschaffung machten, war es den beiden Verkehrsbetrieben zunächst gelungen, sich auf ein weitgehend identisches Fahrzeugkonzept zu einigen. Es umfasste maximal 45 Meter lange, durchgängig begehbare Multigelenkwagen mit einem Niederfluranteil von mindestens 60 Prozent. Die Fahrzeuge sollten derart ausgelegt werden, dass sie mit wenigen Ausnahmen auf dem gesamten BVB- und BLT-Netz einsetzbar waren. Vier Vorserienfahrzeuge sollten unter realen Bedingungen auf beiden Netzen erprobt werden, bevor die definitive Bestellung freigegeben wurde. Die Lieferung hätte sich über mehrere Jahre verteilt.

Mitte 2005 erfolgte das Ausschreibungsverfahren gemäss WTO-Standard. Rund ein Jahr später wurde bekannt gegeben, dass sich BVB und BLT für eine Neuentwicklung der schweizerischen Firma Stadler Rail AG (STAG) entschieden hatten.

STAG bot mit dem Produkt «Tango» einen sechsteiligen Einrichtungwagen an, welcher über einen Niederfluranteil von 75 % und konventionelle Triebdrehgestelle verfügte. Die Gesamtkonzeption trug den anspruchsvollen Basler Streckenverhältnissen mit engen Radien, Kuppen, Wannen und Gleisverwindungen Rechnung. Alle acht als Schwenkschiebetüren ausgebildete Doppeltüren befanden sich im Niederflurbereich und waren gleichmässig über die gesamte Fahrzeuglänge verteilt. Die Endwagenteile 1 und 6 liefen auf den beiden bis zu 12 Grad ausdrehenden Motordrehgestellen und stützten sich über unten angeordnete Kugelgelenke auf die kürzeren Wagenteile 2 bzw. 5 ab. Diese ruhten ihrerseits auf lediglich 2 Grad ausdrehbaren Lauffahrwerken. Die Wagenteile 3 und 4 lagen auf einem als Jakobsdrehgestell ausgebildeten Triebdrehgestell auf und waren über unten angeordnete Kugelgelenke mit den Wagenteilen 2 und 5 verbunden.

Be 6/10 164

Montage des Be 6/10 164 im Stadler-Werk Bussnang.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 95_554)

Die drei Triebdrehgestelle verfügten über eine Schraubenfeder-Primärfederstufe und eine sekundäre Luftfederung mit vertikalen Stossdämpfern. Die auf Wiegebalken liegenden Kugeldrehkränze übetrugen auch die Traktionskräfte.

Die ebenfalls über Sekundär-Luftfederung verfügenden Lauffahrwerke besassen durchgehende Achsen und ermöglichten eine Wagenbodenhöhe von 545 mm über der Schienenoberkante. Die Höhendifferenz vom Niederflurbereich (Wagenbodenhöhe 370 mm, Einstiegsbereich 320 mm) zum Bereich über den Lauffahrwerken wurde über Rampen ausgeglichen. Demgegenüber war zum Erreichen der Abteile über den Triebdrehgestellen (956 mm über Schienenoberkante) die Überwindung von drei je 195 mm hohen Stufen erforderlich.

Alle Wagenteile verfügten über eine Nirosta-Aufbau und einen Stahlboden (im Niederflurbereich Aluminium). Die äussere Beplankung der Seitenwände bestand aus Aluminiumblechen, welche geklebt bzw. im unteren Teil verschraubt waren. An Front und Heck befanden sich unter GFK-Schürzen verborgene Hilskupplungen mit +GF+-Köpfen.

Technische Daten bei Inbetriebsetzung:

Anzahl Wagen: 38
Wagennummern: 151 bis 154 (Vorserie), 155 bis 169 (1. Lieferserie), 171 bis 189 (2. Lieferserie)
Im Linienbetrieb: seit 2009

Mechanischer Teil: STAG-A (151–154, 171-189), STAG-B (155–169)
Elektrische Ausrüstung: ABB, TSA, Selectron
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 4’600’000.– (Vorserie, 1. Lieferserie), k. A. (2. Lieferserie)
Länge über alles: 44’890 mm
Breite: 2’300 mm
Grösste feste Höhe: 3’547 mm
Radsatzabstand im Triebdrehgestell: 1’750 mm
Radsatzabstand im Laufdrehgestell: 1’400 mm
Drehgestellmittenabstand: 9’250 mm bzw. 10’040 mm
Radsatzfolge: Bo’2(Bo)2Bo‘
Dienstgewicht: 55’000 kg
Sitz-/Stehplätze: 93+1/182 (Vorserie), 101+1/167 (1. und 2. Lieferserie)
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h

Anzahl Fahrmotoren: 6
Hersteller/Typ: TSA TMF 42-24-4
Dauerleistung: 6 x 204 PS bzw. 6 x 150 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:6,3238

Bremsen: elektrische Rekuperationsbremse, elektro-hydraulische Scheibenbremse, Magnetschienenbremse, Federspeicher-Feststellbremse

Zwischen Herbst 2008 und Frühjahr 2009 wurden die vier Vorserienfahrzeuge Be 6/10 151 bis 154 auf dem Strassenweg zum BLT-Depot Hüslimatt überführt. Sie durchliefen nach der Inbetriebsetzung auf allen Linien der BLT sowie auf den Linien 1/14, 3, 6 und 8 der BVB ein intensives Testprogramm. Dabei zeigte sich, dass ein Teilniederflurfahrzeug den Anforderungen der BVB insbesondere auf den innenstädtischen Abschnitten nicht zu genügen vermochte. Die BVB zogen sich daher aus der gemeinsamen Beschaffung zurück und schrieben nach entsprechenden Anpassungen am Lastenheft neu aus.

Be 6/10 151

Erste Gehversuche des Be 6/10 151 in der engen Wendeschlaufe Heuwaage (Nacht 14./15. Oktober 2008).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 95_46)

Hingegen überzeugte der Tango auf den zum grossen Teil vorortsbahnmässig ausgebauten Linien der BLT. Nach verschiedenen Änderungen und Optimierungen an den Vorserienfahrzeugen (insbesondere bei der Sitzanordnung und -zahl) gab die BLT grünes Licht für den Bau einer ersten Tranche von 15 Serienwagen. Bei deren Bau flossen sämtliche Erfahrungen aus der Erprobung der Vorserienfahrzeuge ein. So verzichtete man beispielsweise auf die Schiebetüre, welche es ermöglicht hätte, den hintersten Fahrzeugteil in Randstunden abzutrennen.

Die Ablieferung der Be 6/10 155 bis 169 erstreckte sich von Juli 2011 (Be 6/10 155) bis Juli 2012 (Be 6/10 169). Dabei wurden die Neufahrzeuge, welche im Gegensatz zu den Be 6/10 151 bis 154 in Bussnang und nicht in Altenrhein montiert worden waren, auf dem Schieneweg angeliefert und bei der BVB-Bauwerkstätte Dreispitz abgeladen. Bis im Frühjahr 2013 wurden die Vorserienwagen weitgehend den Serienfahrzeugen angeglichen.

Der Be 6/10 154 wurde im Frühjahr 2009 in Zürich auf der Linie 7 erprobt und im November 2009 in Bern anlässlich der Ausstellung «suissetraffic» vorgeführt.

Im November und Dezember 2011 fanden in zahlreichen Gemeinden des Leimentals und des Birsecks Taufzeremonien statt. Dabei wurde der Be 6/10 154 jeweils von Neuem auf den Namen der entsprechenden Gemeinde mit Tramanbindung «getauft». Die definitiven Namen und Wappen wurden später bei anderen Fahrzeugen angebracht.

Be 6/10 169

Während der Überführung von Herstellerwerk in Bussnang nach Basel gönnt sich der Be 6/10 169 eine Pause im Rangierbahnhof Limmattal (Nacht 19./20. Juli 2012).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 95_618)

Be 6/10 158

Anlieferung des Be 6/10 158 über das SBB-Anschlussgleis bei der BVB-Bauwerkstätte Dreispitz. Die Rollschemel vom Typ Uaikk übernahm Stadler von den SBB. Für einen 45 Meter langen Tango wurden drei davon benötigt.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 95_509)

Be 6/10 155

Bei den Serienfahrzeugen (im Bild der eben angelieferte Be 6/10 155) wurden die Erkenntnisse aus dem Betrieb der Vorserienfahrzeugen berücksichtigt und unter anderem die Sitzanordnung angepasst.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 95_505)

Im Juni 2013 bestellte die BLT eine zweite Serie von 19 Tango-Trams. Die Lieferung begann im März 2015 mit dem Be 6/10 171 (die Nummer 170 blieb unbelegt). Die in Altenrhein gebauten und in Erlen in Betrieb gesetzten Fahrzeuge trafen bis im August 2016 sukzessive in Basel ein, wobei der Transport wiederum auf dem Schienenweg erfolgte. Die Wagen der zweiten Lieferserie wiesen gegenüber jenen der ersten Serie nur geringfügige Änderungen auf (u. a. verbessertes Crashverhalten).

Namen und Wappen

  • Be 6/10 151: Binningen (Taufakt mit Be 6/10 154 am 12.11.2011)
  • Be 6/10 152: Basel (Taufakt mit Be 6/10 154 am 10.12.2011)
  • Be 6/10 153: Bottmingen (Taufakt mit Be 6/10 154 am 19.11.2011)
  • Be 6/10 154: Münchenstein (Taufakt mit Be 6/10 154 am 11.11.2011),
    ab 01.2012 Dornach (Taufakt mit Be 6/10 154 am 02.12.2011)
  • Be 6/10 155: Oberwil (Taufakt mit Be 6/10 154 am 04.11.2011)
  • Be 6/10 156: Arlesheim (Taufakt mit Be 6/10 154 am 18.11.2011)
  • Be 6/10 157: Therwil (Taufakt mit Be 6/10 154 am 07.12.2011)
  • Be 6/10 158: Münchenstein (Taufakt mit Be 6/10 154 am 11.11.2011)
  • Be 6/10 159: Ettingen (Taufakt mit Be 6/10 154 am 25.11.2011)
  • Be 6/10 160: Reinach (Taufakt mit Be 6/10 154 am 05.11.2011)
  • Be 6/10 161: Witterswil (kein Taufakt)
  • Be 6/10 162: Aesch (Taufakt mit Be 6/10 154 am 09.12.2011)
  • Be 6/10 163: Bättwil (kein Taufakt)
  • Be 6/10 164: Muttenz (nur vorgesehen, kein Wappen angebracht)
  • Be 6/10 165: Hofstetten-Flüh (kein Taufakt)
  • Be 6/10 166: Pratteln (nur vorgesehen, kein Wappen angebracht)
  • Be 6/10 167: Leymen (nur vorgesehen, kein Wappen angebracht)
  • Be 6/10 168: Betagtenlobby Graue Panther (Taufakt am 29.11.2011)
  • Be 6/10 169: Rodersdorf (Taufakt mit Be 6/10 154 am 26.11.2011)

Fahrzeugporträts

Be 6/10 151 (Vorserie)

Übernahme: 03.09.2008
Ausmusterung: –

02./03.09.2008: Ankunft in Oberwil
05.01.2009: Erster Kurseinsatz
seit 2016: Ganzwerbung «Bank Valiant»
17.06.2016: Be 4/6 674 rollte am Aeschenplatz rückwärts in den Be 6/10 151 (erheblicher Sachschaden)

Be 6/10 152 (Vorserie)

Übernahme: 19.11.2008
Ausmusterung: –

18./19.11.2008: Ankunft in Oberwil
2015 bis 2016: Ganzwerbung «IP Suisse»

Be 6/10 153 (Vorserie)

Übernahme: 04.02.2009
Ausmusterung: –

03./04.02.2009: Ankunft in Oberwil
11.05.2009 bis 29.11.2009: Versuchseinsätze auf den BVB-Linien 1/14, 3, 6 und 8
2011: Entgleisung Depot Hüslimatt

Be 6/10 154 (Vorserie)

Übernahme: 19.11.2008
Ausmusterung: –

12./13.03.2009: Ankunft in Oberwil
31.03.2009 bis 17.04.2009: Versuchseinsatz in Zürich (VBZ-Linie 7)
11.11.2009 bis 15.11.2009: Vorführfahrten in Bern (Guisanplatz–Hauptbahnhof[–Wabern] anlässlich suissetraffic)

Be 6/10 155

Übernahme: 2011
Ausmusterung: –

20.07.2011: Ankunft in Basel

Be 6/10 156

Übernahme: 2011
Ausmusterung: –

28.11.2011: Ankunft in Basel

Be 6/10 157

Übernahme: 2011
Ausmusterung: –

05.12.2011: Ankunft in Basel

Be 6/10 158

Übernahme: 2011
Ausmusterung: –

20.12.2011: Ankunft in Basel
31.07.2017: Kollision mit Be 6/10 177 auf dem Messeplatz
2018 bis 2019: Ganzwerbung «Schaulager»

Be 6/10 159

Übernahme: 2011
Ausmusterung: –

03.02.2011: Ankunft in Basel

Be 6/10 160

Übernahme: 2012
Ausmusterung: –

13.02.2012: Ankunft in Basel

Be 6/10 161

Übernahme: 2012
Ausmusterung: –

06.03.2012: Ankunft in Basel
08.12.2012: Entgleisung in Aesch (erheblicher Sachschaden)

Be 6/10 162

Übernahme: 2012
Ausmusterung: –

16.03.2012: Ankunft in Basel
seit 2019: Ganzwerbung «U-Abo»

Be 6/10 163

Übernahme: 2012
Ausmusterung: –

27.03.2012: Ankunft in Basel

Be 6/10 164

Übernahme: 2012
Ausmusterung: –

27.04.2012: Ankunft in Basel

Be 6/10 165

Übernahme: 2012
Ausmusterung: –

30.05.2012: Ankunft in Basel

Be 6/10 166

Übernahme: 2012
Ausmusterung: –

13.03.2012: Ankunft in Basel
2012 bis 2015: Ganzwerbung «Clariant» (Motiv 1)
2015 bis 2016: Ganzwerbung «Clariant» (Motiv 2)

Be 6/10 167

Übernahme: 2012
Ausmusterung: –

27.06.2012: Ankunft in Basel
12.06.2013: Auffahr-Kollision mit Be 4/6 110 in Oberwil, Reparatur A-Wagen bei STAG

Be 6/10 168

Übernahme: 2012
Ausmusterung: –

07.07.2012: Ankunft in Basel

Be 6/10 169

Übernahme: 2012
Ausmusterung: –

20.07.2012: Ankunft in Basel
30.12.2013: Be 4/4 493 kollidierte zwischen Schifflände und Marktplatz mit dem Heck des Be 6/10 169 (erheblicher Sachschaden)

Be 6/10 171

Übernahme: 2015
Ausmusterung: –

03.03.2015: Ankunft in Basel
2015 bis 2016: Ganzwerbung «Schaulager»

Be 6/10 172

Übernahme: 2015
Ausmusterung: –

24.03.2015: Ankunft in Basel

Be 6/10 173

Übernahme: 2015
Ausmusterung: –

21.04.2015: Ankunft in Basel
16.11.2018: Entgleisung Schlaufe Aesch

Be 6/10 174

Übernahme: 2015
Ausmusterung: –

03.06.2015: Ankunft in Basel

Be 6/10 175

Übernahme: 2015
Ausmusterung: –

01.07.2015: Ankunft in Basel