Auf dieser Werkaufnahme des C 702 kommt das Missverhältnis zwischen Wagenkastenlänge und Radsatzabstand deutlich zum Ausdruck bzw. C3 702 im heutigen Zustand als Restaurantwagen.
© B.St.B./BVB (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen) bzw. © Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 30.11)

Im Rahmen von Rollmaterialbeschaffungen in den Zwanziger- und Dreissigerjahren wurden den damaligen Basler Strassenbahnen (B.St.B.) wiederholt grössere, vierachsige Fahrzeuge empfohlen. Die Strassenbahnverwaltung hielt jedoch wenig von den schweren Drehgestellwagen jener Zeit und forcierte die Entwicklung von längeren, zweiachsigen Fahrzeugen mit erhöhtem Fassungsvermögen. Anfangs der Dreissigerjahre gaben die B.St.B. zwei entsprechende Mustertramzüge in Auftrag.

Einer dieser beiden Züge bestand aus dem Motorwagen Nr. 72 und dem Anhänger Nr. 702. Sowohl Motor- als auch Anhängewagen wurden von der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik AG (SWS) in Schlieren erbaut und wiesen zahlreiche Neuerungen auf. Am auffälligsten waren der Mitteleinstieg und der gegenüber herkömmlichen Zweiachsern rund eineinhalb Meter längere Wagenkasten in angenäherter Hechtform.

Die Laufeigenschaften des C 702 konnten hingegen überhaupt nicht befriedigen, denn der kurvenunfreundlich grosse Radsatzabstand (3’300 mm) war im Vergleich zum Wagenkasten immer noch zu kurz. Beim vergleichbaren Motorwagen Ce 2/2 72 (ab 1947 Ce 2/2 302) führte dies 1950 sogar zum Rückzug aus dem Personenverkehr.

Technische Daten bei Inbetriebsetzung:

Typenbezeichnung: C
Anzahl Wagen: 1
Wagennummer: 702 (1948 bis 1993 Nr. 1302)
Im Linienbetrieb: 1931 bis 1970

Erbauer: SWS
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 48’110.–
Länge über alles: 10’820 mm
Grösste feste Breite: 2’200 mm
Höhe über Dach: 3’235 mm
Radsatzabstand: 3’300 mm
Taragewicht: 8’300 kg
Sitz-/Stehplätze: 24/20
Höchstgeschwindigkeit: 36 km/h

Bremsen: indirekt wirkende Druckluftbremse, Solenoidbremse, mechanische Handbremse

1932, also rund ein Jahr nach seiner Inbetriebnahme, nach Winterthur überführt, wo bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik AG (SLM) ein dreiachsiges Lenkuntergestell (Gesamtradsatzabstand neu 4’800 mm) untergesetzt wurde. Somit liess sich die Laufkultur entscheidend verbessern. Die Wiederinbetriebnahme als C3 702 erfolgte am 18. Februar 1933.

Als Dreiachser befriedigte das Fahrverhalten nun durchaus; das neue Untergestell verlieh dem Anhänger einen weichen, durchaus angenehmen Lauf. Die guten Erfahrungen mit dem Lenkuntergestell führten sogar zur Bestellung von zwei grösseren Serien dreiachsiger Anhängewagen (C3 703–722 und C3 723–732) sowie zum Eigenbau der zwölf B3 1333–1344. Bei den Motorwagen hingegen konnte sich in Basel die dreiachsige Bauart nicht durchsetzen. Es blieb bei den beiden Musterwagen 201 (71/301) und 73 (303).

Der nun als C3 bezeichnete Mitteleinstieg-Anhänger bekam 1948 die neue Nummer 1302 und stand rund vierzig Jahre lang praktisch ausschliesslich auf der Linie 11 im Einsatz. Auf dieser flachen Überlandlinie waren die meisten Basler Prototypen unterwegs.

C<sup>3</sup> 702 Untergestell

Das dem Wagen 702 untergesetzte Lenkuntergestell. Die Achsen hatten Innenlager, die Blattfedern der Kastenabederung waren quer angeordnet.
© Werkaufnahme SLM (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)

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Dieses Typenbild des C3 1302 dürfte um 1950 entstanden sein (beim Depot Dreispitz).
© BVB (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)

Technische Daten nach Umbau:

Typenbezeichnung: C3
Anzahl Wagen: 1
Wagennummern: 702 (1948 bis 1993 Nr. 1302)
Umbau: 1932–33

Erbauer: SWS, SLM
Umbau: SLM
Umbaukosten: k. A.
Länge über alles: 10’820 mm
Grösste feste Breite: 2’200 mm
Höhe über Dach: 3’235 mm
Gesamtradsatzabstand: 4’800 mm
Taragewicht: 9’200 kg
Sitz-/Stehplätze: 24/49
Höchstgeschwindigkeit: 36 km/h

Bremsen: indirekt wirkende Druckluftbremse, Solenoidbremse, mechanische Handbremse

Die Ausmusterung des B3 1302 stand am 5. Dezember 1970 an. Der Tramclub Basel war sich der historischen Bedeutung des ersten Basler Dreiachsers bewusst und nahm den Anhänger sogleich in Obhut. Er konnte in Arlesheim (1970 bis 1975), im Eglisee (1975 bis 1989) und in Rodersdorf (1989 bis 1991) abgestellt werden.

Im Hinblick auf das Jubiläum «100 Joor BVB» erfolgte anno 1991 die Rückgabe an die BVB. Bei der Waggonbaufirma Fervet in IT-Castelfranco wurde der Dreiachser restauriert und äusserlich in den Zustand der Dreissigerjahre zurückversetzt. Dieser Epoche entsprechen auch die hellgrüne Lackierung sowie die wieder angebrachte alte Nummer 702. Als Restauranttram mit anderer Sitzanordnung und Buffet auf der Mittelplattform entfiel allerdings die Zweirichtungsfähigkeit. Dafür kann seit September 1993 dem legendären Motorwagen Ce 4/4 450 «Dante Schuggi» wieder ein passender Anhänger mitgegeben werden, nachdem der «Schuggi-Anhänger» B 1400 im Jahre 1967 voreilig verschrottet worden war. 2016 wurde die Magnetschienenbremse nachgerüstet.

Auskünfte über Extrafahrten unter www.bvb.ch, im BVB-Kundenzentrum am Barfüsserplatz, per Mail an extrafahrten@bvb.ch oder Tel. +41 61 685 14 14.

Fahrzeugporträt