MB O 530 eCitaro C2 Nr. 1001 am 17. Mai 2021, einem seiner ersten Einsatztage auf der Linie 37 (Gellertstrasse). Durch die bei den BLT-Bussen farblich nicht abgesetzte «Mütze» überwiegt bei der Front der Schwarzanteil eher nachteilig.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 351_13)

Am 7. Februar 2019 schrieb die Baselland Transport AG (BLT) die Beschaffung von fünf Elektro-Normbussen inklusive Ladeinfrastruktur und Betriebsdaten-Managementsystem für einen ab Frühjahr 2021 geplanten Pilotbetrieb auf der Linie 37 öffentlich aus. Drei Angebote von EvoBus (Schweiz) AG, Carrosserie HESS AG und BYD Europe wurden fristgerecht eingereicht. Das Angebot von EvoBus (Schweiz) AG mit dem neuen Mercedes-Benz eCitaro erhielt von BLT-Chauffeuren und Werkstattpersonal gleichermassen gute Noten, so dass dieser Anbieter den Zuschlag erhielt.

Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) beschaffte 2019 als erster Betrieb Mercedes-Benz eCitaro-Elektrobusse. Am 26. Mai 2019 steht der Wagen 8502 an der Ladesäule im RNV-Betriebshof Heidelberg.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. DFE_8850)

Der klassische Niederflur-Stadtbus Citaro – mit Diesel- oder Gasantrieb, aber auch als Hybridvariante bereits weit über 50’000mal verkauft – bildet die  Plattform für den eCitaro. So blieb das grundsätzliche Layout des Fahrzeugaufbaus weitgehend unverändert; Türen, Seitenscheiben und Verblechung des eCitaro entsprechen 1:1 dem klassischen Citaro. Auch das darunter steckende Gerippe ist jenes des Urtyps. Ganz anders kommt die mit dem (noch) aussergewöhnlichen Elektroantrieb korrespondierende Frontgestaltung daher. Sie nimmt Elemente aus der Formensprache der Studie «Future Bus» von Mercedes-Benz auf und erinnert kaum mehr an den Citaro-Urtyp. Der Stossfänger mit integrierter Kennzeichenplatte und die dreidimensional herausgearbeiteten modelltypischen A0-Säulen rahmen das Gesicht des eCitaro ein. Die gewölbte Windschutzscheibe wurde in schwarz-glänzendem iPhone-Stil mit chromhinterlegten Querspangen optisch gegen unten verlängert. Nach oben schwingt sie sich bis zum Dach empor und integriert Liniennummern- und Fahrzielanzeige. Mittig trägt sie eine meist farblich abgesetzte, fast schwebend wirkende «Mütze», die einen fliessenden Übergang ins erhöhte Dach schafft und ebenfalls eines der Designelemente des Future Bus ist. Auch im oberen Heckbereich sorgt eine Mütze für einen stimmigen Übergang.

Im Innenraum und beim Fahrerplatz fielen die Änderungen gegenüber dem Citaro-Urtyp hingegen marginal aus. Insbesondere blieben der Motorraum mitsamt darüberliegendem Komponententurm links im Heck erhalten. Dementsprechend präsentiert sich die Architektur in diesem Bereich wie bei Dieselbussen zerklüftet und zugebaut. Im Vergleich zu von Grund auf als Elektrobus konzipierten Fahrzeugen mit ausgewogener Verteilung der Technikkomponenten ist der eCitaro hier eindeutig im Nachteil. Auch der Fahrgast profitiert – abgesehen von der angenehm leisen Geräuschkulisse – kaum vom Elektroantrieb des eCitaro.

Beim Antrieb setzte Mercedes-Benz nicht konsequent auf eigene Neuentwicklungen. Bei der Hinterachse griffen die Entwickler auf die Portalachse AVE 130 von ZF mit hochtourigen flüssigkeitsgekühlten Asynchron-Elektromotoren zurück. Die beiden radnabennah verbauten Motoren bringen eine Maximalleistung von je 125 kW / 170 PS. Das maximale Drehmoment von zweimal 485 Nm steht systembedingt vom Start weg voll zur Verfügung und sichert eine angemessene Dynamik, selbst bei voller Beladung. Die Bremsenergie wird zurückgewonnen und in der Antriebsbatterie gespeichert. Diese ist modular aufgebaut. Die einzelnen Module sind im Heckbereich anstelle von Dieselmotor und Getriebe sowie auf dem Dach platziert. Eine Wärmepumpe heizt oder kühlt den Fahrzeuginnenraumje nach Jahreszeit.

Anordnung der wichtigsten Komponenten im eCitaro.
© Daimler AG

Im ursprünglichen BLT-Konzept für den Versuchsbetrieb der Linie 37 waren noch Fahrzeuge mit NMC-Batterien (Lithium-Nickel-Mangan-Kobald-Oxid-Zellen) mit hoher Schnellladekapazität und Zwischenladungen in Bottmingen vorgesehen. Zwischenzeitlich bot Mercedes-Benz jedoch Festkörper-Batterien an, welche anstatt flüssigen Elektrolyts über solches auf festerer Polymerbasis verfügen. Festkörper-Batterien sind zwar voluminöser und nicht schnellladefähig, besitzen aber eine deutlich höhere Energiedichte und längere Lebensdauer. Ihre grössere Hitzeunempfindlichkeit minimiert zudem das Brandrisiko. Aufgrund der grösseren Reichweite der neuen Batterietechnologie erübrigt sich nun ein Aufladen auf der Strecke und somit die strecken- und fahrzeugseitigen Installationen. Das Aufladen per  Direct Current-Ladung (DC-Ladung = Gleichstrom) über Kabel und Stecker mit einer Ladeleistung von bis zu 150 kW erfolgt ausschliesslich in der Garage Hüslimatt.

Für die Fahrerausbildung nutzten die BLT einen Leihwagen von EvoBus (Schweiz) AG (12. März 2021, Therwil).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 933_11)

Technische Daten bei Inbetriebsetzung:

Typ: Mercedes-Benz O 530 eCitaro C2
Anzahl Wagen: 5
Wagennummern: 1001 bis 1005
Im Linienbetrieb: seit 2021

Chassis, Karosserie: Mercedes-Benz
Anschaffungskosten/Wg.: ca. CHF 750’000.– (exkl. Ladeinfrastruktur)
Länge über Stossbalken: 12’135 mm
Breite: 2’550 mm
Höhe über alles: 3’400 mm
Radstand: 5’900 mm
Taragewicht: ca. 14’500 kg
Sitz-/Stehplätze: 30+1/42
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h

Anzahl Fahrmotoren: 2 (radnabennahe Elektromotoren)
Hersteller/Typ: ZF AVE 130
Maximalleistung: 2 x 170 PS bzw. 2 x 125 kW
bei Drehzahl: k. A.
Übersetzungsverhältnis im Radkopf: 1:22,66

Batterietyp: Feststoffbatterie Lithium-Metal-Polymer (LMP)
Batteriekapazität: 441 kWh

Bremsen: Elektronisch geregelte Zweikreis-Druckluftbreme, elektrodynamische Bremse, Haltestellenbremse, Federspeicher-Feststellbremse

Fahrzeugporträts

MB O 530 eCitaro C2 Nr. 1001

Kennzeichen: BL 221 730

Inbetriebsetzung: 2021
Ausmusterung: –

MB O 530 eCitaro C2 Nr. 1002

Kennzeichen: BL 221 732

Inbetriebsetzung: 2021
Ausmusterung: –

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