Mit knapp zwölf Metern Länge und einer Breite von 2,40 Metern waren die beiden FBW-Grossraumbusse für die damalige Zeit wahre Ungetüme! 1965 steht der fünf Jahre zuvor zur Birsigthalbahn AG gekommene Wagen Nr. 4 in Oberwil für die Fahrgäste bereit.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen

Neben dem mittelgrossen Alfa Romeo 430A Nr. 3 verbrachten ab 1960 bzw. ab 1965 zwei weitere Autobusse der Schweizerischen Reisepost ihre letzten Betriebsjahre bei der Birsigthalbahn AG (BTB). Es handelte sich um Grossraum-Normallenker mit Chassis und Motor der Nutzfahrzeugfabrik Franz Brozincevic & Cie. (FBW).

Während des Zweiten Weltkriegs setzte ein Trend zu grösseren Autobussen ein. Material, Betriebsmittel und die wenigen nicht zum Militärdienst eingezogenen Mitarbeiter mussten von den Transportunternehmungen – allen voran der Schweizerischen Reisepost – möglichst optimal eingesetzt werden. Mit einem  Chauffeur und einem Bus sollten daher möglichst viele Fahrgäste befördert werden. Neben dem Aufkommen von Personenanhängern entstanden in dieser Zeit auch sogenannte Grossraum-Autobusse. Als Vorreiter auf diesem Gebiet galt Saurer. Doch auch FBW konnte ab 1946 mit dem neu entwickelten Niederrrahmen-Chassis ON50 den Aufbauherstellern eine geeignete Basis für Grossraumwagen zur Verfügung stellen. Zwischen 1946 und 1951 wurden insgesamt 47 Postautos dieses Typs gebaut. Sie erhielten Sechszylinder-Dieselmotoren mit Direkteinspritzung und einer Leistung von 105 PS bei 1’800 U/min.

Der erste, 1960 gebraucht erworbene Bus bekam bei der BTB die Betriebsnummer 4. Er wurde 1947 von der Post als P 1349 in Betrieb genommen und besass einen Aufbau von Ramseier + Jenzer in Bern. Ausgestattet mit drei Druckluft-Falttüren (davon eine auf der linken Wagenseite), Heck-Gepäckraum mit Klappbank und separater Türe, Faltverdeck sowie teilweise senkbaren Seitenscheiben, verfügte der rechtsgelenkte Wagen über eine für die damalige Zeit bemerkenswerte Ausstattung. Mit knapp zwölf Metern Länge und einer Breite von 2,40 Metern war er zudem ein wahres Ungetüm für die damalige Zeit und dürfte im Leymental zweifellos ein Hingucker gewesen sein. Selbst die grössten Normallenker der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) waren mehr als einen halben Meter kürzer!

Mit dem P 24573 (ex P 1393) kam 1965 ein zweiter Grossraumwagen von der Post zur Birsigthalbahn. Dieser mit der Nummer 7 in den Bestand eingereihte Bus besass einen Aufbau des Karosseriebauers Gebr. Tüscher + Co. (GTC) aus Dällikon, entsprach im übrigen jedoch weitgehend dem Wagen Nr. 4.

Der kurz zuvor noch mit der neuen Nummer 6 versehene Wagen 4 wurde 1970 ausgemustert und abgebrochen. Die Nummer 7 blieb als Reservefahrzeug im Bestand und ging 1974 sogar an die neugegründete Baselland Transport AG (BLT) über (vgl. FBW ON50 Nr. 7).

Technische Daten bei Übernahme:

Marke/Typ: FBW ON50
Anzahl Wagen: 2
Wagennummer: 4 (später 6) und 7
Im Linienbetrieb: 1960 bis 1974

Chassis: FBW ON50
Karosserie: GTC (Nr. 4/6) bzw. R+J (Nr. 7)
Anschaffungskosten: ca. CHF 28’000.– (Nr. 4) bzw. CHF 21’146.– (Nr. 7)
Länge über Stossbalken: 10’700 mm
Breite: 2’400 mm
Höhe über alles: 3’070 mm
Radstand: 6’300 mm
Taragewicht: 7’330 kg (Nr. 4/6) bzw. 7’770 kg (Nr. 7)
Sitz-/Stehplätze: 27/23 (zusätzlich 5 Sitzplätze auf Heckbank)
Höchstgeschwindigkeit: 59 km/h

Motor: FBW DD (Diesel)
Anzahl Zylinder: 6
Hubraum: 8’553 ccm
Leistung: 105 PS bzw.  77 kW

Getriebe: 4-Gang-Handschaltgetriebe FBW KB50 und Schnellgang Maybach SG215

Bremsen: Einkreis-Druckluftbremse, Auspuff-Motorbremse, mechanische Handbremse

Fahrzeugporträts

FBW ON50 Nr. 4

→ ex PTT (P 1349, 1. Inv. 1947) → ab 1969 Nr. 6

Kennzeichen: BL 7866

Inbetriebsetzung: 1960
Ausmusterung: 1970

Verbleib: Abbruch

FBW ON50 Nr. 7

→ ex PTT (P 24573, 1. Inv. 1948)

Kennzeichen: BL 7254

Inbetriebsetzung: 1965
Ausmusterung: –

Verbleib: 1974 an BLT (Nr. 7)

Zuletzt aktualisiert am 13. August 2026 von Dominik Madörin