Chevrolet 6702 Nr. 1 der Birsigthalbahn AG (BTB) um 1950 bei der Garage Oberwil. Die Frontpartie offenbart rasch, dass es sich um ein auf einem Schulbus-Chassis von Chevrolet aufgebautes Fahrzeug handelt.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen
Der auf der einzigen Autobuslinie der Birsigthalbahn AG (BTB) eingesetzte kleine Mercedes-Bus genügte den betrieblichen Anforderungen inzwischen nicht mehr und musste nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzt werden. Für seinen Nachfolger fiel die Wahl auf ein aus den USA importiertes Fahrgestell von Chevrolet, auf das die Sissacher Karosseriebaufirma E. Frech-Hoch AG (FHS) einen zweckmässigen Aufbau setzte. Für diese in der Schweiz nicht weit verbreitete Paarung dürften nicht nur wirtschaftliche Überlegungen ausschlaggebend gewesen sein. Auch die angespannte Liefersituation der einheimischen Nutzfahrzeugindustrie in den ersten Nachkriegsjahren dürfte eine Rolle gespielt haben (vgl. auch Alfa Romeo 430A Nr. 3).
Wie bei den meisten Automobilherstellern, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, dauerte es auch bei der 1911 gegründeten Chevrolet Motor Company nicht lange, bis die Produktion von Nutzfahrzeugen aufgenommen wurde. Aber erst in den frühen Vierzigerjahren konnte Chevrolet – mittlerweile zur General Motors Company (GM) gehörend – eine umfassende Produktpalette anbieten, die sogar Frontlenker-Lastwagen und komplette (Schul-)Busse umfasste. Auf die zwischen 1941 und 1947 gebaute AK-Serie für leichte und mittelschwere Nutzfahrzeuge auf Basis von Personenwagen folgte ab 1948 die Advance Design-Baureihe.
Basis für den neuen Bus der Birsigthalbahn bildete das besonders robuste Schulbus-Fahrgestell 6702 aus ebendieser Advance Design-Reihe von Chevrolet. Mit einem Radstand von 199 Zoll (5’054 mm) war es noch etwas länger als das Fahrgestell des grössten Zwei-Tonnen-Lastwagens, dessen Radstand bei 179 Zoll (4’547 mm) lag. Gegenüber den LKW-Chassis verfügte das Schulbus-Fahrgestell auch über ein Kugelumlauf-Lenkgetriebe sowie eine verbesserte Hinterachse.
Chevrolet bzw. der Schweizer Generalimporteur General Motors Suisse SA lieferte ein sogenanntes Flat Face Cowl-Chassis mit Linkslenkung und doppelt bereifter Hinterachse an die Sissacher Karosseriebauer. Neben Rahmen, Achsen, Rädern, Lenkung und Antriebsstrang gehörten auch Motorhaube, Kühlergrill, Stossstange und vordere Kotflügel mit integrierten Scheinwerfern zum Lieferumfang. Die Frontpartie des Fahrzeugs war damit bereits festgelegt und verlieh ihm den unverkennbaren Charakter eines «Amerikaners». Der daran anschliessende Aufbau von FHS war zweckmässig und schnörkellos gehalten und nahm die bullig-runde Advance Design-Formensprache nicht auf. Ausnahme bildete die abgerundeten Heckpartie, welche jedoch ebenso dem hiesigen Zeitgeist entsprach, wie das Stoff-Faltverdeck. Der Zugang erfolgte über zwei Schlagtüren links und rechts im vorderen Bereich. Zusätzlich war eine Hecktüre für Gepäck- und Postsendungen vorhanden.
Beim Motor handelte es sich nicht etwa um den von Chevrolet standardmässig verbauten Load-Master, einen Reihensechszylinder-Benzinmotor mit 3,5 Litern Hubraum, sondern um einen Dieselmotor des Typs DJXC der US-amerikanischen Hercules Engine Company. Dieser wassergekühlte Sechszylinder-Selbstzünder ohne Aufladung entwickelte 62 PS und dürfte im Betrieb wesentlich kostengünstiger gewesen sein, als der eigentlich bereits veraltete, noch von Louis Chevrolet persönlich entwickelte Load-Master-Benziner.
Der blau-silbern lackierte Chevrolet-Autobus scheint sich bewährt zu haben und bildete über Jahre hinweg das Rückgrat des BTB-Busbetriebs. Ende der Sechzigerjahre wurde er durch zwei deutlich modernere und grössere FBW-Frontlenker ersetzt. Das weitere Schicksal des Wagens ist unbekannt. Er dürfte wohl verschrottet worden sein.
Technische Daten bei Inbetriebnahme:
Marke/Typ: Chevrolet 6702
Anzahl Wagen: 1
Wagennummer: 1
Im Linienbetrieb: 1949 bis 1968
Chassis: Chevrolet 6702
Karosserie: FHS
Anschaffungskosten: CHF 75’764.–
Länge: ca. 9’200 mm
Breite: 2’245 mm
Höhe: k. A.
Radstand: 5’054 mm
Taragewicht: 5’117 kg
Sitz-/Stehplätze: 31+1/3
Höchstgeschwindigkeit: ca. 60 km/h
Motor: Hercules DJXC (Diesel)
Anzahl Zylinder: 6
Hubraum: 4’881 ccm
Leistung: 62 PS bzw. 46 kW
Getriebe: k. A.
Bremsen: hydraulische Vierrad-Vakuumbremse, Auspuff-Motorbremse, mechanische Handbremse
Fahrzeugporträt
Chevrolet 6702 Nr. 1
Kennzeichen: BL 7081
Inbetriebsetzung: 1949
Ausmusterung: 1968
Verbleib: k. A. (vermutl. Abbruch)
Zuletzt aktualisiert am 7. Juli 2026 von Dominik Madörin




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