Der kleine Saurer-Schnauzenbus kann sein Alter und die Spuren seiner bewegten Vergangenheit nicht verbergen, als er sich am 24. April 1956 neben der Garage der Birsigthalbahn AG in Oberwil eine Ruhepause gönnt.
© Peter Willen (Sammlung Bernhard Willen, CH-Samedan)

Speziell für schwach frequentierte Strecken und für die stets defizitären Überlandlinien im Glatt- und Limmattal (z. B. Seebach–Glattbrugg oder Schlieren–Dietikon) beschaffte der damalige Kraftwagenbetrieb der Städtischen Strassenbahn Zürich (St.St.Z.) 1933 vier kleinere Normallenker-Autobusse mit den Betriebsnummern 42 bis 45 (ab 1947 Nrn. 242 bis 245). Es handelte sich um eine Gemeinschaftsentwicklung der St.St.Z., der Adolph Saurer AG, Arbon sowie des Karosseriebauers Gebr. Tüscher + Co. (GTC) aus Dällikon.

Um die bestehende Nutzfahrzeug-Typenreihe A, die primär für den Transport von Lasten bis zu sechs Tonnen ausgelegt war, nach unten zu ergänzen, entwickelte Saurer 1925 den leichteren Typ B. Dessen Konzeption eignete sich sowohl für Lastwagen als auch für Autobusse. Für die Zürcher Wagen kam ein B-Chassis in Niederrahmen-Ausführung mit einem Radstand von 4’250 mm und doppelt bereifter Hinterachse zur Anwendung. Tüscher setzte darauf einen Busaufbau in Stahlbauweise mit Schiebetüre vorne und Drehfalttüre hinten.

Saurer arbeitete auch kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Dieselmotors und führte 1931 das sogenannte Kreuzstrom-Verbrennungsverfahren, ein frühes Wirbelkammer- bzw. Vorkammer-Einspritzverfahren zur Verbesserung der Verbrennung, ein. Eine der vierzylindrigen Auführungen dieses Aggregats trug die Bezeichnung BOD, leistete 44 kW bzw. 60 PS und eignete sich so ideal für die Zürcher Überland-Busse. Allerdings mussten die Karosseriebauer bei der Konstruktion des Aufbaus dem durch das Dieselprinzip bedingten, gegenüber herkömmlichen Benzinmotoren deutlich raueren Motorlauf sowie den daraus resultierenden Vibrationen besondere Aufmerksamkeit widmen. Ein späterer Umbau der Motoren auf das Saurer-Doppelwirbelungsverfahren führte zu einer Leistungssteigerung auf 49 kW bzw. 67 PS bei gleichzeitiger Reduktion des Kraftstoffverbrauchs.

108 moderne Frontlenker-Autobusse, die zwischen 1948 und 1955 in Zürich in Dienst gestellt wurden, verdrängten rasch nahezu sämtliche altertümlichen «Vorkriegs-Schnauzenbusse» aus der Stadt. Viele von ihnen fanden bei anderen Verkehrsbetrieben neue Aufgaben, so auch der kleine Saurer 2 BODP Nr. 243. Er kam Ende 1951 zur Birsigthalbahn AG (BTB). Mit der neuen Betriebsnummer 2 half die günstige Occasion beim Betrieb der im selben Jahr bis nach Basel (Heuwaage) verlängerten BTB-Buslinie und entlastete den seinerzeit einzigen Kurswagen der Bahngesellschaft, den Chevrolet 6702 Nr. 1. 1963 schied der hochbetagte, für seine Aufgaben eigentlich überforderte Veteran wieder aus dem Bestand und wurde wohl dem Abbruch zugeführt.

Technische Daten bei Übernahme:

Marke/Typ: Saurer 2 BODP
Anzahl Wagen: 1
Wagennummer: 2
Im Linienbetrieb: 1951 bis 1963

Chassis: Saurer
Karosserie: GTC
Anschaffungskosten: CHF 12’000.–
Länge über Stossbalken: 7’130 mm
Breite: 2’300 mm
Höhe über alles: 2’840 mm
Radstand: 4’250 mm
Taragewicht: 5’540 kg
Sitz-/Stehplätze: 14+1/12
Höchstgeschwindigkeit: k. A.

Motor: Saurer BOD (Diesel)
Anzahl Zylinder: 4
Hubraum: 5’702 ccm
Leistung: 67 PS bzw. 49 kW

Getriebe: 4-Gang-Handschaltgetriebe Saurer 4 BL

Bremsen: hydraulische Vierrad-Bremse, mechanische Handbremse

Fahrzeugporträt

Saurer 2 BODP Nr. 2

→ ex VBZ (Nr. 243, 1. Inv. 1933)

Kennzeichen: BL 7648

Inbetriebsetzung: 1951
Ausmusterung: 1963

Verbleib: k. A.

Zuletzt aktualisiert am 4. Juli 2026 von Dominik Madörin