Auf Basis einer bis Ende 2024 einlösbaren Option für weitere Fahrzeuge des Typs FLEXITY Basel beantragte der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt dem Grossen Rat im Juni 2022 ein Darlehen an die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) in Höhe von 91,3 Millionen Franken. Damit sollten 23 Niederflur-Gelenkwagen beschafft werden, um ab 2025 die Be 4/4 477–502 «Cornichon» sowie deren Anhängewagen zu ersetzen. Die Bestellung sollte zwei fünfteilige, 32 m lange und 21 siebenteilige, 43 m lange Wagen umfassen.

Die Herstellerfirma Alstom als Nachfolgerin des seinerzeitigen FLEXITY-Basel-Lieferanten Bombardier Transportation forderte jedoch 34,1 Millionen Franken mehr als ursprünglich vereinbart, dies bei gleichzeitiger Verlängerung der Lieferfrist von 26 auf 33 Monate. Begründet wurden diese Veränderungen mit «veränderten Normen bei vertraglich nicht gebundenen Leistungen». Nach Absprache mit den BVB beantragte die Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (UVEK) dem Grossen Rat deshalb, das Geschäft zurückzuweisen. Damit wurde den BVB die Möglichkeit geboten, die juristische Sachlage zu prüfen und eine Neuausschreibung durchzuführen, was im Februar 2024 auch erfolgte.

Die Frist zur Einreichung von Angeboten lief Ende August 2024 ab. Lediglich eine Offerte ging ein. Es handelte sich um den Niederflurwagen des neuentwickelten Typs TINA von Stadler Rail AG. Das angebotene, auf die Anforderungen der BVB zugeschnittene Produkt erfüllte die technischen und kommerziellen Anforderungen der Ausschreibung zwar weitgehend. Allerdings fiel dieser Fahrzeugtyp, der bei der benachbarten Baselland Transport AG (BLT) sowie anderen Verkehrsbetrieben im Ausland bereits im Einsatz stand, durch erhöhte Lärm- und Erschütterungswerte auf.

Ein unabhängiges, spezialisiertes Ingenieurbüro führte zwischen Oktober 2024 und Februar 2026 vier Messkampagnen durch. Der Niederflurwagen TINA wurde dabei hinsichtlich Erschütterungs- und Lärmwerten mit den bestehenden Tramtypen der BVB (FLEXITY Basel und COMBINO) verglichen. Parallel dazu nahm der Hersteller verschiedene Massnahmen zur Reduktion der Emissionen vor. Dank dieser erfüllten die Lärmwerte schliesslich die Anforderungen der BVB. Bei den Erschütterungswerten blieben hingegen weiterhin signifikante Unterschiede bestehen: Das von Stadler Rail AG angebotene Tram verursachte deutlich höhere Werte!

Aufgrund dieser Erkenntnisse erteilten die BVB keinen Zuschlag und entschieden sich für eine Neuausschreibung. Der Abbruch der Beschaffung hatte zur Folge, dass ältere Fahrzeuge revidiert werden mussten, um ihren Betrieb bis zur Inbetriebnahme neuer Trams sicherzustellen.

Zuletzt aktualisiert am 20. Mai 2026 von Dominik Madörin