Bereits 25 Jahre alt und so gut wie neu: Pionierwagen Magirus-Deutz 200 D16 A Nr. 936 am 17. August 1992 beim BVB-Depot Dreispitz. Hinter dem Kühlergrill mit dem Markenzeichen von Magirus-Deutz (stilisierte Silhouette des Ulmer Münsters in Kombination mit dem Buchstaben M für Magirus) ist das grosse Lüfterrad erkennbar, das nicht nur für die Kühlung des Motors, sondern auch für dessen charakteristischen Klang sorgte.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 184.4)
Im Jahre 1967 ging bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) ein Stück Tramromantik zu Ende, als die unhandlichen, schienengebundenen und seit Jahren veralteten Werkzeug-Hilfsmotorwagen Xe 2/2 2000–2002 ausgemustert wurden. Für Hilfeleistungen bei Unfällen, Entgleisungen oder grösseren Fahrzeugdefekten hatten die Verkehrsbetriebe ein neues Konzept erarbeitet, welches mit der Beschaffung eines Hilfswagens auf Basis eines schweren Lastwagens verbunden war. Unter Berücksichtigung der zahlreichen Strassenbahn-Überlandstrecken mit Hochgleisen entschloss man sich für ein zweiachsiges Fahrzeug mit Allradantrieb. Wo Zufahrtsstrassen fehlten, konnte so notfalls auf dem offenen Bahnkörper an eine Unfallstelle herangefahren werden.
Der «Pionierwagen» Magirus-Deutz 200 D16 A erhielt zunächst die betriebsinterne Dienstwagen-Nummer 708. Chassis, Kabine und Motor stammten aus dem Ulmer Werk von Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD). Im Gegensatz zu den seinerzeit bekannten und weit verbreiteten Magirus-Deutz-Rundhaubern erhielten die ausgesprochen robusten Allrad-Fahrzeuge ein anderes Design mit eckiger Haube, eckigen Kotflügeln und freistehenden Scheinwerfern. Der Viertakt-Wirbelkammer-Dieselmotor leistete 200 PS 1). Er war als V8-Motor mit zwei im Winkel von 90° zueinander angeordneten Zylinderbänken und einem beachtlichen Hubraumvolumen von 12,7 Litern ausgeführt. Die Kühlung erfolgte – typisch für Deutz-Motoren – mit Luft durch ein thermostat-geregeltes, ölhydraulisch angetriebenes Axialgebläse.
Im vorderen Bereich des für ein Gesamtgewicht von 16 Tonnen ausgelegten Fahrgestells war eine Seilwinde, Bauart Rotzler, mit acht Tonnen Zugkraft eingebaut. Deren hydraulische Steuerung befand sich in der Führerkabine.
Den Kastenaufbau mit fortschrittlichen Rollläden-Verschlüssen und die hinter der Hinterachse angeordnete Halterung für zwei Rollschemel (Diplory), welche für Havaristen mit blockierten oder defekten Achsen benötigt wurden, steuerte die Feuerwehrgerätefabrik Gebrüder Bachert GmbH & Co. aus dem badischen Weisweil bei. Ausbau und Einrichtung nahm die BVB-Hauptwerkstätte Klybeck selbst vor. Als Neuerung führte der Pionierwagen eine Lukas-Aufgleisausrüstung mit, die unter anderem aus zwei hydraulischen Stufenhebern à 20 t, vier hydraulischen Pratzenhebern à 20 t, zwei Aufgleisbrücken von je 3,25 m Länge, Wälz- und Gleitwagen sowie einem Pumpenaggregat, dem Steuertisch und den Hochdruckschläuchen bestand. Weiter mitgeführt wurden:
- Habegger-Seilzug mit 3 t Zugkraft
- 20 m und 50 m Drahtseil
- diverse Draht- und Hanfseile mit Endschlaufen
- Spezialstahlketten
- Schneidbrenner
- mobile, mit Propangas betriebene Beleuchtunganlage
- Batterieleuchten
- Feuerlöscher
- verschiedenes Werkzeug
Der neue, oxydrot lackierte Hilfswagen wurde sofort nach Fertigstellung und Instruktion des Depotpersonals in Betrieb genommen. Ausser der internen Betriebsnummer und dem Polizeikennzeichen änderte sich im Laufe der folgenden Jahre an ihm kaum etwas. Stets in der Garage Wiesenplatz unter Dach untergebracht, befand er sich bei seiner Ablösung durch einen deutlich moderneren Nachfolger anno 1995 quasi noch im Neuzustand.
1) Bei den in anderen Quellen angegeben Leistung von 64,5 PS handelt es sich um Steuer-PS, welche nicht die reale Leistung des Motors darstellen.
Technische Daten bei Inbetriebsetzung:
Marke/Typ: Magirus-Deutz 200 D16 A
Anzahl Wagen: 1
Wagennummer: 708 (später 936)
In Betrieb: 1967 bis 1995
Fahrgestell: Magirus-Deutz
Aufbau: Bachert
Anschaffungskosten: k. A.
Länge über alles: 8’750 mm
Grösste feste Breite: 2’460 mm
Grösste feste Höhe: ca. 2’800 mm
Radstand: 4’600 mm
Taragewicht: 8’310 kg
Zul. Gesamtgewicht: 16’000 kg
Höchstgeschwindigkeit: k. A.
Motor: Deutz F8L714 (Luftkühlung)
Anzahl Zylinder: 8 (in V-Anordnung)
Hubraum: 12’667 ccm
Leistung: 200 PS bzw. 147 kW
Getriebe: k. A.
Bremsen: Druckluftbremse, Auspuff-Motorbremse, mechanische Handbremse
Fahrzeugporträt
Magirus-Deutz 200 D16 A Nr. 708
→ später Nr. 936
Kennzeichen: BS 5374, später BS 53 (blau)
Inbetriebnahme: 1967
Ausmusterung: 1995
Zuletzt aktualisiert am 3. Mai 2026 von Dominik Madörin




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