Be 4/6 212 im Ablieferungszustand (Heuwaage, 24. April 1989) bzw. mit Niedeflurmittelteil zum Achtachser erweiterter Wagen 257 auf Fahrschulfahrt in Reinach (5. Oktober 2011).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nrn. 7.842 bzw. 9_170)

Mit seiner Botschaft vom 10. September 1975 beantragte der Bundesrat einen Rahmenkredit über 500 Mio. Franken zur Förderung konzessionierter Transportunternehmungen. Diese vom Parlament genehmigten Mittel waren hauptsächlich für Vororts- und Überlandstrecken und nicht für städtische Linien vorgesehen. Um mit Bundemitteln neues Rollmaterial für die Basler Vorortslinien 10, 11, 14 und 17 beschaffen zu können mussten diese allerdings ins Stadtzentrum (z. B.  an die Schifflände) geführt werden.

Eine massgebende Kostenbeteiligung durch den Kanton Baselland ebnete schliesslich den Weg für die grösste Rollmaterialbestellung der Region Basel. Der Auftrag zum Bau von 66 zweiteiligen Gelenk-Motorwagen ging an die in der Region ansässige Schindler-Waggon AG in Pratteln (SWP). Bei der Typenwahl war zu berücksichtigen, dass das neue Rollmaterial mit bestehenden BLT-Fahrzeugen sowie jenen der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) kompatibel sein musste.

Hauptabmessungen, Türanordnung und Sitzeinteilung stimmten im Wesentlichen mit den Be 4/6 101–115 der BLT überein. Hingegen wurde der Wagenkasten völlig neu gezeichnet. Das Hauptaugenmerk ruhte dabei auf der Führerkabine (bessere Sichtverhältnisse, besserer Kollisionsschutz).

Das vordere und das hintere Drehgestell waren motorisiert. Das mittlere Laufdrehgestell war als Jakobs-Drehgestell ausgebildet. Aus Kostengründen verzichtete man auf eine Luftfederung.

Die Fahrzeuge wurden mit der Simatic-Steuerung ausgerüstet, die sich bereits bei den Be 4/6 101–115 und den DÜWAG-Motorwagen der BVB bewährte. Mit diesen Fahrzeugen bestand somit eine Kompatibilität hinsichtlich der Vielfachsteuerung.

Ursprünglich besassen nur die Be 4/6 201–218 Einrichtungen zum Mitführen von Anhängewagen. Ebenso war nur ein Teil der Flotte mit Überlandhorn und Zugsicherung für den Betrieb auf der Überland-Strecke Hüslimatt–Rodersdorf ausgerüstet. Im Laufe der Jahre wurden die 66 Wagen jedoch auf einen einheitlichen Stand gebracht.

Technische Daten bei Inbetriebsetzung:

Typenbezeichnung: Be 4/6
Anzahl Wagen: 66
Wagennummern: 201 bis 266
Im Linienbetrieb: seit 1978

Mechanischer Teil: SWP
Elektrische Ausrüstung: BBC, S-E
Anschaffungskosten/Wg.: ca. CHF 935’000.–
Länge über alles: 19’970 mm
Grösste feste Breite: 2’200 mm
Grösste feste Höhe: 3’660 mm
Radsatzabstand im Triebdrehgestell: 1’750 mm
Radsatzabstand im Laufdrehgestell: 1’700 mm
Drehgestellmittenabstand: 2 x 6’200 mm
Radsatzfolge: B'(2)B‘
Dienstgewicht: 24’500 kg
Sitz-/Stehplätze: 45+1/105
Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h

Anzahl Fahrmotoren: 2
Hersteller/Typ: Siemens KB 2021-7 MP 02
Stundenleistung: 2 x 204 PS bzw. 2 x 150 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:5,625

Bremsen: elektrische Widerstandsbremse, indirekt wirkende Druckluftbremse, Magnetschienenbremse, hydromechanische Feststellbremse, EPV für Anhängewagen-Druckluftbremse

Nur wenige Änderungen und Umbauten mussten an den 66 Gelenk-Motorwagen seit ihrer Inbetriebsetzung vorgenommen werden. Bemerkenswert ist der Ersatz aller 132 Fahrmotor-Rotoren (und jene der Reserve-Drehgestelle) infolge von Rissbildungen. Insbesondere wegen fehlender Ersatzteile begann 2005 der Austausch der Simatic-Steuerung durch eine solche der Firma Selectron. Seither besteht keine Kompatibilität mit den BVB-DÜWAG mehr.

Den markantesten Umbau stellte wohl die 1987 begonnene Erweiterung der Be 4/6 201–212, 214–223, 231–257 und 259 zu Achtachsern mit Niederflur-Mittelteil dar.

Be 4/6 214

Heckansicht des Be 4/6 214. Zeitweise waren die Wagennummern über dem roten Band im weniger kollisionsgefährdeten Bereich angebracht (Aufnahme vom 2. Oktober 1990 beim Surbaum).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 7.1062)

Umbau (Rückbau) Be 4/6 → Be 4/8 (→ Be 4/6)

  • Be 4/6 201: 1994 → Be 4/8, 2015 → Be 4/6
  • Be 4/6 202: 1995 → Be 4/8
  • Be 4/6 203: 1994 → Be 4/8, 2015 → Be 4/6
  • Be 4/6 204: 1995 → Be 4/8
  • Be 4/6 205: 1995 → Be 4/8, 2015 → Be 4/6
  • Be 4/6 206: 1994 → Be 4/8
  • Be 4/6 207: 1995 → Be 4/8
  • Be 4/6 208: 1994 → Be 4/8, 2013 → Be 4/6
  • Be 4/6 209: 1994 → Be 4/8
  • Be 4/6 210: 1994 → Be 4/8
  • Be 4/6 211: 1994 → Be 4/8
  • Be 4/6 212: 1995 → Be 4/8
  • Be 4/6 214: 1995 → Be 4/8, 2012 → Be 4/6
  • Be 4/6 215: 1994 → Be 4/8
  • Be 4/6 216: 1995 → Be 4/8
  • Be 4/6 217: 1994 → Be 4/8, 2016 → Be 4/6
  • Be 4/6 218: 1995 → Be 4/8
  • Be 4/6 219: 1995 → Be 4/8
  • Be 4/6 220: 1995 → Be 4/8
  • Be 4/6 221: 1994 → Be 4/8
  • Be 4/6 222: 1995 → Be 4/8
  • Be 4/6 223: 1995 → Be 4/8
  • Be 4/6 231: 1987 → Be 4/8 (Prototyp), 2012 → Be 4/6
  • Be 4/6 232: 1989 → Be 4/8
  • Be 4/6 233: 1989 → Be 4/8, 2013 → Be 4/6
  • Be 4/6 234: 1998 → Be 4/8
  • Be 4/6 235: 1999 → Be 4/8
  • Be 4/6 236: 1989 → Be 4/8
  • Be 4/6 237: 1989 → Be 4/8
  • Be 4/6 238: 1989 → Be 4/8
  • Be 4/6 239: 1999 → Be 4/8
  • Be 4/6 240: 1999 → Be 4/8
  • Be 4/6 241: 1998 → Be 4/8, 2017 → Be 4/6
  • Be 4/6 242: 1999 → Be 4/8
  • Be 4/6 243: 1999 → Be 4/8
  • Be 4/6 244: 1989 → Be 4/8
  • Be 4/6 245: 1988 → Be 4/8
  • Be 4/6 246: 1989 → Be 4/8
  • Be 4/6 247: 1989 → Be 4/8, 2012 → Be 4/6
  • Be 4/6 248: 1989 → Be 4/8
  • Be 4/6 249: 1989 → Be 4/8
  • Be 4/6 250: 1988 → Be 4/8
  • Be 4/6 251: 1988 → Be 4/8
  • Be 4/6 252: 1988 → Be 4/8
  • Be 4/6 253: 1988 → Be 4/8
  • Be 4/6 254: 1988 → Be 4/8
  • Be 4/6 255: 1988 → Be 4/8
  • Be 4/6 256: 1988 → Be 4/8
  • Be 4/6 257: 1999 → Be 4/8, 2012 → Be 4/6
  • Be 4/6 259: 1999 → Be 4/8

Umbau zu Be 4/8 mit Niederflur-Mittelteil

Am 25. Oktober 1986 erfolgte die Verknüpfung der Linien 10 (Aeschenplatz–Dornach) und 17 (Heuwaage–Rodersdorf) zur neuen Durchmesserlinie 10. Dies hatte einen weiteren Anstieg der Fahrgastzahlen zur Folge, so dass die bisher eingesetzten Doppeltraktionen, gebildet aus zwei Be 4/6, nicht mehr zu genügen vermochten. Eine Erhöhung der Taktfrequenz zur Steigerung der Beförderungsleistung war wegen verschiedenen Einspurabschnitten nicht möglich.

Die BLT gab deshalb Ende 1986 Schindler Waggon AG den Auftrag, einen sechsachsigen Gelenkwagen der Serie 201–266 versuchsweise zum Achtachser umzubauen. Der ausgewählte Be 4/6 231 wurde aufgetrennt und um ein 6’200 mm langes Niederflur-Mittelteil («Sänfte») mitsamt zusätzlichem Laufdrehgestell erweitert. Die Auslieferung erfolgte am 9. Juni 1987. Durch den Umbau erhöhte sich die Länge über alles auf 26’170 mm. Das Dienstgewicht betrug neu 32’000 kg. Den Fahrgästen standen 66+1 Sitz- und 147 Stehplätze zur Verfügung.

Der Prototyp bewährte sich ausgezeichnet, so dass in einer ersten Phase zwischen 1987 und 1989 19 Be 4/6 in gleicher Weise umgebaut worden waren (Wagen 231–233, 236–238 und 244–256). 1994–1995 folgten in einer zweiten Umbauserie 22 weitere Fahrzeuge (Wagen 201–212 und 214–223). 1998–1999 wurden die letzten neun Be 4/6 verlängert (Wagen 234–235, 239–243, 257 und 259). Die dazu benötigten Gelenke und Drehgestelle stammten von den Be 4/6 659–686 der BVB, welche ihrerseits mit einem Niederflur-Mittelteil abweichender Bauart ausgestattet worden waren.

Der Be 4/8 250 wurde Ende 2011 nach einer Entgleisung ausgemustert, so dass zu diesem Zeitpunkt 49 Be 4/8 16 Be 4/6 gegenüber standen. 2012 begann die BLT, einzelne Achtachser wieder zu Sechsachser zurückzubauen, da Veränderungen im Rollmaterialbestand im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der Be 6/10 151–169 «Tango» zu einem Überbestand an achtachsigen Gelenkwagen geführt hatten. Drehgestelle und Mittelteile wurden verschrottet.

Mittelteil-Fertigung

Mittelteil-Fertigung (1. Bauserie) bei Schindler Waggon AG (Aufnahme vom 14. März 1989).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. -)

Be 4/8 236

Heckansicht des Be 4/8 236 (Aufnahme vom 9. Juli 1990 bei der Heuwaage).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 9.434)

Spätere Änderungen (Auswahl):

  • 1980: Sprechfunk und Anbindung an Betriebsleitsystem BVB (nur Be 4/6 201–230, übrige von Anfang an)
  • 1981–1982: Frequenzweichensteuerung
  • 1984–1987: Funksystem Storno für Leitstelle BLT
  • 1990–1991: Einbau Abrissbremse
  • 1995–1998: Einbau von Führerstand-Klimageräten
  • 1997–2000: Ersatz der rotierenden Umformergruppe durch ein statisches Ladegerät
  • ab 2003: Einbau Videoüberwachung
  • 2000–2002: Einbau neuer Bordrechner für IBIS-Leitsystem (nur Be 4/8), Modernisierung Führerstand
  • ab 2005: Ersatz der Simatic durch Selectron
  • ab 2011: Rückbau der Einrichtungen für Anhängewagen-Betrieb (Aufgabe des Anhänger-Betriebs)

Erste Testeinsätze der neuen BLT-Sechsachser fanden im Mai und Juni 1978 auf der Linie 10 (Aeschenplatz–Dornach) statt. Die zuerst gelieferten Be 4/6 201–230 wurden jedoch der Linie 11 zugeteilt, wo sie hauptsächlich in Doppeltraktion (anfänglich auch in Kombination mit grünen BVB-DÜWAG!) verkehrten.

Da die Strecke Heuwaage–Rodersdorf erst am 29. September 1984 auf Trambetrieb umgestellt werden konnte, mussten schon früher gelieferte Be 4/6 des Nummernbereichs 231 bis 266 über Jahre abgestellt werden. Dies erfolgte im Depot Arlesheim (16 Wagen) und in der Remise Aesch (9) sowie in den Freigeländen der BVB-Depots Wiesenplatz (6) und Allschwilerstrasse (5). Die Wagenhallen in Aesch und Arlesheim mussten für diese Zwecke zuvor verlängert werden. Zur Vermeidung von Standschäden fanden regelmässige Einsätze auf den Linien 10 und 11 statt. Im März 1983 wurden die Be 4/6 245, 246, 248, 250 sowie 251 und im Mai 1983 weitere zehn Be 4/6 des oberen Nummernbereichs auf dem Strassenweg ins noch nicht an das BVB-/BLT-Strassenbahnnetz angeschlossene Depot Hüslimatt überführt, um die überfüllten BVB-Depots zu entlasten.

Die BVB profitierte ebenfalls vom neuen BLT-Rollmaterial: Einerseits konnten die eigenen grünen DÜWAG-Motorwagen und Anhängewagen von der seinerzeit noch durch die BVB betriebene Linie 11 abgezogen und auf andere Linien verschoben werden. Dies ermöglichte wiederum, die letzten Zweiachser und einige dreiachsige Anhänger aus dem Verkehr zu ziehen. Anderseits konnte die BVB zur Behebung von Kapazitätsengpässen neue BLT-Motorwagen vorübergehend auf Stadtlinien einsetzen. 1984 bis 1986 wurden zehn Wagen fest angemietet (Be 4/6 239–243 und 252–256). Eingesetzt wurden diese vorwiegend auf der Linie 14.

Ab 1999, als der Umbau zu Be 4/8 abgeschlossen war, liefen die 16 verbliebenen Sechsachser 213, 224–230, 258 und 260–266 nur noch hinter Achtachsern auf den Linien 10 und 11. Zugführend eingesetzt werden konnten aufgrund der nicht bei allen Wagen komplett vorhandenen Führerstand-Ausrüstung (fehlendes IBIS) nur noch die Be 4/6 213 und 225–228. Solche Einsätze erfolgten bis zur Lieferung der Be 6/10 151…189 «Tango» gelegentlich auf der Linie E11 (Be 4/6 solo).

Die Be 4/8 201…259 verkehrten auf allen drei BLT-Tramlinien 10, 11 und 17. Auf den Linien 10 und 11 liefen sie als führendes Fahrzeug in Doppeltraktion mit Be 4/6. Bis Ende 2011 kamen in Randzeiten auch Einsätze als Alleinfahrer vor. Auf der Linie 17 waren bis Ende 2012 Züge mit Anhängewagen üblich, anschliessend Doppeltraktionen Be 4/8 + Be 4/6.

Einzelne Be 4/8 trugen kommerzielle Ganzwerbungen. Anlässlich des Jubiläums «40 Jahre BLT» bekam der Be 4/8 259 im Mai 2014 einen blau-weissen, den Fahrzeugen der ehemaligen Birsigthalbahn AG nachempfundenen Aussenanstrich.

Der Be 4/8 250 entgleiste am 2. November 2011 in Münchenstein. Eine Reparatur des stark beschädigten Wagens erfolgte nicht, er wurde als erster der Serie ausgemustert und abgebrochen.

Be 4/8 250

Der Be 4/8 250 entgleiste am 2. November 2011 in Münchenstein und wurde in der Folge abgebrochen.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 9_198)

Die sechs überzähligen Be 4/8 204, 206, 221, 222, 223 und 252 fanden im Sommer 2018 eine neue Heimat und wurden günstig nach Gotha in Thüringen abgegeben. Nach entsprechenden Anpassungsarbeiten und einem langwierigen Zulassungsverfahren machten sie sich ab Herbst 2019 auf den Gothaer Strassenbahnlinien und der Thüringerwaldbahn nützlich.

Be 4/8 223

Im Sommer 2018 verliessen die sechs Be 4/8 204, 206, 221, 222, 223 und 252 die BLT mit dem Ziel Thüringerwaldbahn (Be 4/8 223 am 6. August 2018 in Münchenstein Bahnhofstrasse/Hauptstrasse).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 9_1017)

Namen und Wappen

Einzelne Be 4/8 201…259 trugen grossformatige Gemeinde-Wappen auf der linken Fahrzeugseite des Niederflur-Mittelteils. Diese waren einst Teil einer Werbekampagne der Basellandschaftlichen Kantonalbank, blieben aber teilweise auch nach der Entfernung der entsprechenden Werbetexte erhalten.

  • Be 4/8 201: Ettingen (2004 bis 2015)
  • Be 4/8 203: Binningen (2004 bis 2015)
  • Be 4/8 204: Binningen I (2000 bis 2004)
  • Be 4/8 205: Oberwil (2004 bis 2015)
  • Be 4/8 208: Oberwil (2000 bis 2004)
  • Be 4/8 209: Therwil (2004 bis
  • Be 4/8 214: Ettingen (2000 bis 2003)
  • Be 4/8 216: Reinach (seit 2005)
  • Be 4/8 221: Therwil (2000 bis 2004)
  • Be 4/8 223: Reinach (2005 bis 2015)
  • Be 4/8 235: Aesch (2000 bis 2006)
  • Be 4/8 240: Reinach I (2000 bis 2008)
  • Be 4/8 241: Münchenstein (2000 bis 2006)
  • Be 4/8 242: Basel (2000 bis 2006)
  • Be 4/8 243: Reinach II (2000 bis 2008)
  • Be 4/8 256: Arlesheim (2000 bis ca. 2008)
  • Be 4/8 259: Binningen II (2000 bis ca. 2006)

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