BCe 4/4 21 im Sommer 1953 zwischen Oberwil und Therwil. Noch besitzt der Wagen die originalen MOB-Anschriften.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen

Der Depotbrand in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1953 dezimierte den Rollmaterialbestand der Birsigthalbahn AG (BTB) erheblich. Neben verschiedenen Anhängewagen und dem Dienst-Motorwagen Xe 2/2 202 verlor die Bahngesellschaft auch die BCe 4/4 4 und 6. Der erst wenige Jahre alte BCe 4/4 9 wurde erheblich beschädigt und fiel für mehrere Monate aus. Vorerst musste die Bahn mit einem um ein Drittel reduzierten Motorwagen-Bestand auskommen.

Der Ausfall derart vieler Fahrzeuge und die ohnehin zu kleine Flotte nötigten zu rascher Ersatzbeschaffung. Unter anderem liessen sich von der Montreux–Berner Oberland-Bahn (MOB) die beiden betagten BCFe 4/4 21 und 22 übernehmen. Diese wurden 1907 bei der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft (SIG) bestellt und trugen einen eleganten stahlgrau-beigen Anstrich. Grössere Umbauten nahm die MOB nicht vor. 1943 wich der eine Lyrabügel einem Pantographen, der andere blieb als Eiskratzer erhalten. Entsprechend ihrem ursprünglichen Einsatzgebiet besassen die 2,70 Meter breiten Wagen aus der Belle Époque ein Gepäckabteil und ein Abort. Das Zweitklassabteil verfügte über einen Seitengang 1).

Bereits am 26. Januar 1953 konnte die BTB der am 17. Januar 1953 in Basel SBB GB («Güterbahnhof Wolf») angekommene BCFe 4/4 22 in den Einsatz bringen. Zuvor mussten die Zentralpuffer sowie die Schraubenkupplungen durch Trichterkupplungen ersetzt und die Bremskupplungen, die Heiz-/Lichtstromkupplungen und die Wagenübergänge angepasst werden. Der Lyrabügel wurde entfernt und der ursprüngliche Pantograph gegen einen solchen aus BTB-Beständen getauscht. Weitere Anpassungen sowie eine Umnumerierung erfolgten vorerst nicht. Der BCFe 4/4 21 traf am 28. Februar in Basel ein und wurde am 9. März 1953 nach gleichen Anpassungen in Betrieb genommen.

Technische Daten bei Übernahme durch BTB:

Typenbezeichnung: BCFe 4/4
Anzahl Wagen: 2
Wagennummern: 21 und 22 (ab 1954 Nrn. 5 und 6)
Im Linienbetrieb: 1953 bis 1966

Mechanischer Teil: SIG
Elektrische Ausrüstung: EGA
Anschaffungskosten/Wg.: k. A.
Länge über alles: 13’980 mm
Grösste feste Breite: 2’700 mm
Grösste feste Höhe: 3’700 mm
Radsatzabstand im Drehgestell: 2’100 mm
Drehgestellmittenabstand: 8’250 mm
Radsatzfolge: Bo’Bo’
Dienstgewicht: 28’000 kg
Sitzplätze 2. Klasse: 12
Sitzplätze 3. Klasse: 16 (zusätzlich 10 Klappsitze)
Stehplätze: 32
Ladefläche: 5 m2
Lastgrenze: 2’000 kg
Höchstgeschwindigkeit: 45 km/h

Anzahl Fahrmotoren: 4
Hersteller/Typ: EGA
Stundenleistung: 4 x 65 PS bzw. 4 x 48,5 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:4,500

Bremsen: elektrische Widerstandsbremse, Vakuumbremse, Handbremse

Nachdem die Brandversicherungssumme eingegangen war, konnte die Birsigthalbahn die bisher nur geliehenen BCFe 4/4 21 und 22 im Juli 1953 käuflich übernehmen.

1954 erhielten die Wagen den gewohnten blau-weissen BTB-Anstrich, die freigewordenen Wagennummern 5 und 6 und – infolge Nichtnutzung des Gepäckabteils – die Typenbezeichnung BCe 4/4. 1961 ersetzte man in den Erstklassabteilen (ehemalige zweite Wagenklasse) den Seiten- durch einen Mittelgang. Beim ABe 4/4 6 wurde gleichzeitig die Sitzplatzzahl im Zweitklassabteil (ehemalige dritte Wagenklasse) auf Kosten des Gepäckabteils und des WCs vergrössert (neu 36/24, zusätzlich 10 Klappsitze). Beim Wagen Nr. 5 unterblieb ein entsprechender Umbau.

Spätere Änderungen (Auswahl):

Wegen ihrer veralteten Ausstattung und des harten Laufs waren die betagten ABe 4/4 5 und 6 weder beim Personal noch bei den Fahrgästen sonderlich beliebt. Sie wurden daher immer weniger eingesetzt, vor allem von dem Zeitpunkt an, als nur noch wenige Anhängewagen mit Vakuumbremse vorhanden waren. 1966 wurden die beiden Motorwagen ausgemustert und in Rodersdorf abgebrochen, um Platz für die modernen neuen Pendelzüge zu schaffen.


1) Bereits von Mai 1918 bis 1922 befand sich der ähnliche CFe 4/4 1 der MOB bei der BTB in Miete (Fahrleistung: 18’461 Kilometer). Seine Motorenleistung betrug nur 180 PS; die Ausstattung des für den Lokalverkehr gedachten Wagens war eher spartanisch. Vor dem Einsatz des Gastes aus der Westschweiz waren in Binningen einige Engpässe zu beseitigen. Einzelne Gleise in Oberwil und Flüh wurden mit einem Fahrverbot belegt.

Fahrzeugporträts

BCe 4/4 21

→ ex Montreux–Berner Oberland-Bahn (BCe 4/4 21)

→ ab 02.1954 BCe 4/4 5, ab 1956 ABe 4/4 5

Inbetriebsetzung: 09.03.1953
Ausmusterung: 1966

Verbleib: Abbruch

BCe 4/4 22

→ ex Montreux–Berner Oberland-Bahn (BCe 4/4 22)

→ ab 09.1954 BCe 4/4 6, ab 1956 ABe 4/4 6

Inbetriebsetzung: 26.01.1953
Ausmusterung: 1966

Verbleib: Abbruch

Zuletzt aktualisiert am 26. April 2026 von Dominik Madörin