Wagen 742 im Zustand des Einsatzes bei den BVB.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 127_64)

Speziell für den Tram-Ersatzbetrieb während zwei umfangreichen und lange dauernden Gleisbaustellen im Sommer 2012 (Schänzli–Freidorf und Bettingerstrasse–Riehen Dorf) suchten die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) auf dem Gebrauchtfahrzeugmarkt nach günstigen Gelenk-Autobussen, da der Bedarf an zusätzlichen Bussen mit der eigenen Flotte nicht abgedeckt werden konnte.

Fündig wurde man in Bern, wo die Verkehrsbetriebe BERNMOBIL ihre Gelenkbusflotte eben erst erneuert hatten und so neun Fahrzeuge disponibel waren. Es handelte sich dabei um die Wagen 241–249, welche 1997 vom belgischen Nutzfahrzeughersteller VAN HOOL geliefert worden waren. Die Wagen wiesen eine durchschnittliche Laufleistung von lediglich ca. 450’000 km auf.

Die Gelenk-Autobusse des Typs VAN HOOL AG300 waren zu ihrer Zeit sehr modern. Im Gegensatz zu den marktbeherrschenden Mitbewerbern Mercedes-Benz/EvoBus bzw. MAN setzte VAN HOOL nicht auf das Konzept «Schubgelenkbus». Vielmehr wurde beim AG300 die mittlere Achse angetrieben und der Motor links stehend zwischen der ersten und zweiten Achse angeordnet. Vorteilhaft bei diesem Konzept war die einfache Realisierung einer vierten Türe im Heck mit vollwertigem Niederflureinstieg und grosser Aufnahmeplattform sowie eine weit nach hinten verlegte und gelenkte Nachläuferachse. Nachteilig wirkte sich die geringe Stehplatzzahl im vorderen Bereich aus. Die ungenügende Geräusch- und Wärmedämmung des unkultivierten 5-Zylinder-Motors aus dem Hause MAN machte die Mitfahrt in einem dieser unklimatisierten Gelenkwagen im Hochsommer allerdings nicht unbedingt zu einem Vergnügen.

VAN HOOL AG300 Nr. 740
Heckansicht des bei der BVB-Garage Rankstrasse abgestellten,
jedoch noch nicht eingelösten Wagens 740 (ex Bernmobil Nr.
244). Aufnahme vom 20. Februar 2012.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 127_18)

Aufgrund der absehbar kurzen Einsatzzeit in Basel beschränkten sich die Anpassungen auf ein Minimum. Insbesondere wurde bei den mit den Wagennummern 739–747 in die BVB-Flotte eingereihten Fahrzeuge auf eine Umlackierung verzichtet, so dass sie im Berner Rot für eine wohltuende Abwechslung in der gründominierten Flotte sorgten. Wie geplant wurden sämtliche Wagen bereits im Herbst 2012 wieder abgestossen.

Technische Daten bei Übernahme durch BVB:

Typ: VAN HOOL AG300
Anzahl Wagen: 9
Wagennummern: 739 bis 747
Im Linienbetrieb: 2012 bis 2012

Chassis, Karosserie: VAN HOOL
Anschaffungskosten/Wg.: k. A.
Länge über Stossbalken: 17’980 mm
Breite: 2’500 mm
Höhe über Dachlüfter: 2’910 mm
Radstand vorne: 6’050 mm
Radstand hinten: 7’150 mm
Taragewicht: 16’970 kg
Sitz-/Stehplätze: 42+1/110 (zusätzlich 1 Klappsitz)
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h

Motor: MAN D2865 LOH09 (Diesel, Turboaufladung, Ladeluftkühlung)
Anzahl Zylinder: 5
Hubraum: 9’973 ccm
Leistung: 310 PS bzw. 228 kW

Getriebe: vollautomatisches 5-Gang-Getriebe mit Drehmoment-Wandler ZF 5HP 590

Bremsen: Zweikreis-Druckluftbremse, hydrodynamischer Retarder (im Getriebe integriert), Haltestellenbremse, Federspeicher-Feststellbremse

Fahrzeugporträts

VAN HOOL AG300 Nr. 739

→ ex Bernmobil (Nr. 242, 1. Inv. 1997)

Kennzeichen: BS 98963

Inbetriebsetzung: 2012
Ausmusterung: 2012

Verbleib: 31.08.2013 Objekt Feuerwehrübung Muttenz, weiterer Verbleib unbekannt

VAN HOOL AG300 Nr. 740

→ ex Bernmobil (Nr. 244, 1. Inv. 1997)

Kennzeichen: BS 98964

Inbetriebsetzung: 2012
Ausmusterung: 2012

Verbleib: k. A. (vermutl. Export Osteuropa/Ungarn)

VAN HOOL AG300 Nr. 741

→ ex Bernmobil (Nr. 246, 1. Inv. 1997)

Kennzeichen: BS 98965

Inbetriebsetzung: 2012
Ausmusterung: 2012

Verbleib: k. A. (vermutl. Export Osteuropa/Ungarn)

VAN HOOL AG300 Nr. 742

→ ex Bernmobil (Nr. 249, 1. Inv. 1997)

Kennzeichen: BS 98966

Inbetriebsetzung: 2012
Ausmusterung: 2012

Verbleib: k. A. (vermutl. Export Osteuropa/Ungarn)