Be 4/4 478 am 22. März 2012. Gegenüber dem Ursprungszustand auffälligste Änderungen: Führerstand-Klimagerät, kleiner Frontscheinwerfer, neues BVB-Signet, neue Bestuhlung mit Textilbezug sowie Matrix-Anzeigen seitlich und hinten.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 10_115)

Auf den 1. März 1984 führten die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) und die Baselland Transport AG (BLT) einen besonders preisgünstigen Umwelttarif ein, um möglichst viele Pendler zum Umsteigen vom Auto auf das öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Dieses Umweltschutz-Abonnement (U-Abo) führte zu einem markanten Zuwachs an Kunden (1985 +10%). Um den zusätzlichen Platzbedarf abdecken zu können, mussten die BVB vorübergehend Rollmaterial von der BLT mieten.

Die Anschaffung von 26 neuen Motorwagen diente somit nicht dem Ersatz von Altfahrzeugen, sondern der Erweiterung des Platzangebots. Die Wahl fiel auf vierachsige Grossraumwagen von Schindler Waggon AG in Pratteln (SWP), um eine grosse Zahl vorhandener Anhänger weiterhin nutzen zu können, und um eine grössere Flexibilität bei der Zugzusammenstellung zu erhalten.

Technisch wurden die Be 4/4 477–502 von den sich seit 1978 bewährenden BLT-Gelenkwagen Be 4/6 201–266 abgeleitet. Der selbsttragende Kasten, ein beplanktes Stahlgerippe, war vollständig verschweisst. Um den gefährlichen Spalt zwischen Türe und Randstein eliminieren zu können wurde im Bereich der Türe 3 die Wagenkastenverjüngung reduziert und die vordere Einzeltüre ganz in der Wagenkastenflucht belassen. Da aber die durch die engen Kurven festgelegten Wagenendverjüngungen auf der linken, türlosen Seite nicht verringert werden konnten, entstand ein asymmetrischer Fahrzeug-Grundriss. Die Monomotor-Drehgestelle entsprachen praktisch vollständig jenen der BLT-Be 4/6 201–266.

Beim Antrieb und der Steuerung hielt man an der konventionellen Technologie mit Untersitz-Nockenfahrschalter und Kollektormotoren fest. Eine SIBAS-16-Steuerung erlaubte die Vielfachsteuerung mit den umgebauten Be 4/4 466–476 bzw. mit den wenige Jahre später beschafften Be 4/6 659–686.

Be 4/4 477

Die Be 4/4 477–502 wurden unter anderem benötigt, um die von der BLT angemieteten Be 4/6 zurückgeben zu können. Zwei solche passieren als Doppeltraktion den auf dem Anschlussgleis von Schindler Waggon AG stehenden Be 4/4 477 (September 1986).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 10.6)

Technische Daten bei Inbetriebsetzung:

Typenbezeichnung: Be 4/4
Anzahl Wagen: 26
Wagennummern: 477 bis 502
Im Linienbetrieb: seit 1986

Mechanischer Teil: SWP, SIG
Elektrische Ausrüstung: BBC, S-E
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 1’374’531.–
Länge über alles: 13’970 mm
Grösste feste Breite: 2’200 mm
Grösste feste Höhe: 3’742 mm
Radsatzabstand im Drehgestell: 1’750 mm
Drehgestellmittenabstand: 6’400 mm
Radsatzfolge: B’B‘
Dienstgewicht: 19’500 kg
Sitz-/Stehplätze: 28+1/70
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h

Anzahl Fahrmotoren: 2
Hersteller/Typ: BBC 4ELO 2052T
Stundenleistung: 2 x 204 PS bzw. 2 x 150 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:5,63

Bremsen: elektrische Widerstandsbremse, indirekt wirkende Druckluftbremse, Magnetschienenbremse, hydromechanische Feststellbremse, EPV für Anhängewagen-Druckluftbremse

Mit dem Erscheinen der ersten Fahrzeuge dieser Serie suchte eine grosse Basler Tageszeitung mittels eines Leserwettbewerbs einen Namen für die neuen Tramwagen. Schliesslich entschied man sich dazu, den Typ «Cornichon» (kleine Gurke) zu nennen. Den Be 4/4 477 taufte man zusätzlich auf den Namen «Konstantin», weil er auf der Pressefahrt die Weiterfahrt aufgrund eines Defektes konstant in Riehen 1) verweigerte… Der Name des Be 4/4 477 war bis 1999 auf dessen Schrägwand unter dem rechten Führerstandfenster angebracht.

Be 4/4 492

Mit der Inbetriebnahme der Be 4/4 477–502 führten die Basler Verkehrs-Betriebe dreiteilige Grossraumwagen-Züge ein (Brombacherstrasse, 1. August 1988).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 10.373)

Zwischen den Jahren 2000 und 2002 wurden Führerstand-Klimaanlagen nachgerüstet. 2007 bis 2012 durchliefen die Fahrzeuge ein Refit-Programm, bei welchem sie unter anderem mit neuen Sitzen und Fahrgastinformationsanzeigen versehen wurden. Ab 2012 wurden die Trittstufen den neuen hohen Haltekanten angepasst (BehiG).

Mit den Be 4/4 477–502 bildeten die BVB erstmals Dreiwagenzüge, bestehend aus Be 4/4 + Be 4/4 + B. Deren erstes Einsatzgebiet war die frequenzstarke Linie 6. Später ging man dazu über, die gut motorisierten Vierachser auf Linien ohne grosse Steigungen mit zwei Anhängern zu betreiben. Solche Züge (Be 4/4 + B + B) prägten bis 2017 das Bild der langen Linie 1/14. Auf der Linie 3 kamen die «Cornichon» vorwiegend als Spitzenfahrzeuge sogenannter Sandwichzüge Be 4/4 + B + Be 4/4 zum Einsatz. Ab 2016 verdrängten die in grosser Zahl beschafften Niederflurwagen FLEXITY Basel die Be 4/4 477–502 in untergeordnete Dienste. Mit Niederflur-Anhänger flexibel einsetzbar blieben sie jedoch bei Rollmaterial-Engpässen und als Spitzenverkehrs-Fahrzeuge unverzichtbar. Zahlreiche Wagen trugen temporäre Ganzwerbungen.

Be 4/4 498

Heckansicht des am Schluss eines Dreiwagenzugs («Sandwichzug») laufenden Be 4/4 498.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 10_647)


1) Genaugenommen passierte das Malheur beim Eglisee, also noch auf Gebiet der Stadt Basel. Zudem verursachte der geführte Be 4/4 478 die Störung an der Jungfernfahrt-Doppeltraktion.

Spätere Änderungen (Auswahl):

  • ab 1996: Ersatz der hydromechanischen Feststellbremse durch eine Federspeicher-Feststellbremse
  • ab 2000: Einbau von Führerstand-Klimageräten
  • ab 2002: Neue Frontscheinwerfer kleinerer Bauart
  • ab 2007: Neues Innenraumdesign, Einbau Videoüberwachung
  • ab 2012: Trittstufenumbau infolge hoher Haltekanten (BehiG)

Taufnamen

  • Be 4/4 477: Konstantin (1986 bis 1999)

Fahrzeugporträts

Be 4/4 477

Inbetriebsetzung: 24.09.1986
Ausmusterung: –

04.1988: Versuchsfahrten Doppeltraktion mit Be 4/6 637
1998: Neues BVB-Logo (erster der Serie)
02.2000 bis 07.2000: Versuchsträger für Einholm-Stromabnehmer Typ COMBINO