BCe 4/4 9 und 8 im Ablieferungszustand wohl auf Probe-/Abnahmefahrt in Ettingen.
© Werkaufnahme SWP (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)

Anno 1948 bestellte die Birsigthalbahn AG (BTB) zwei neue Triebwagen, welche jedoch erst 1951 zur Auslieferung kamen. Lieferanten waren Schindler-Waggon AG in Pratten (mechanischer Teil) und Brown Boveri, Baden (elektrische Ausrüstung).

Die gegenüber dem älteren Rollmaterial rund sechzig Prozent höhere Antriebsleistung sowie das Fassungsvermögen von rund 100 Personen waren sehr willkommen. Die Triebwagen mit der Bezeichnung BCe 4/4 8 und 9 eigneten sich auch für Einsätze im Einmannbetrieb. Die Türen verfügten zu diesem Zweck erstmals über einen elektro-pneumatsichen Antrieb.

Der Wagenkasten war als selbsttragende Konstruktion ausgebildet. Bodenrahmen, Kastengerippe und Dach bestanden aus abgekanteten Stahlblechen und Profilen, welche miteinander verschweisst waren.

Eine grosse Mittelplattform mit zusätzlichem Einstieg unterbrach den Fahrgastbereich, der sich in zwei Drittklassabteile und ein Zweitklassabteil gliederte. Eines der Drittklassabteile mit Holzbänken war als Raucher, das andere als Nichtraucher gekennzeichnet. Das sich zwischen Führerstand I und Drittklass-Nichtraucherabtei befindende Zweitklassabteil war den Nichtrauchern vorbehalten. Insgesamt entsprach die Innenausstattung der Standardausführung für schweizerische Schmalspurbahnen.

Pro Drehgestell waren zwei Tatzlagermotoren von BBC federnd aufgehängt. Die zweistufige Abfederung erfolgte über Schraubenfedern mit Öldämpfern (Primästufe) sowie eine Wiegenabfederung mit Blattfedern. Eine Einkammer-Druckluftbremse System Charmilles wirkte auf 16 Bremsklötze. Zusätzlich waren pro Drehgestell zwei Schienenbremsmagnete mit je 500 kg vertikaler Zugkraft vorhanden.

Die Steuerung erfolgte über elektromagnetische Schützen. Beide Wagen konnten zusammen in Vielfachsteuerung verkehren. Es waren erstmals +GF+-Kupplungen angebaut.

Technische Daten bei Inbetriebsetzung:

Typenbezeichnung: BCe 4/4
Anzahl Wagen: 2
Wagennummern: 8 und 9
Im Linienbetrieb: 1951 bis 1984

Mechanischer Teil: SWP
Elektrische Ausrüstung: BBC
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 376’635.45
Länge über alles: 16’800 mm
Grösste feste Breite: 2’500 mm
Grösste feste Höhe: 4’050 mm
Radsatzabstand im Drehgestell: 2’100 mm
Drehgestellmittenabstand: 10’800 mm
Radsatzfolge: Bo’Bo‘
Dienstgewicht: 27’400 kg
Sitz-/Stehplätze: 43+2/53 (zusätzlich 4 Klappsitze)
Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h

Anzahl Fahrmotoren: 4
Hersteller/Typ: BBC
Stundenleistung: 4 x 125 PS bzw. 4 x 92 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:5,780

Bremsen: elektrische Widerstandsbremse, indirekt wirkende Druckluftbremse, Magnetschienenbremse, Handbremse

Beim Depotbrand in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1953 wurde der erst wenige Monate alte BCe 4/4 9 stark beschädigt. Der Wiederaufbau erfolgte bei SWP in Pratteln und war im August 1953 abgeschlossen. Erstezt wurden: Dach, Seitenverblechung (teilweise), Türen (teilweise), Innendecke, Zwischenwände, Scheiben, Kabelkanäle, Beleuchtungskörper, Gepäckträger, Sitze.

BCe 4/4 9

Stark beschädigter BCe 4/4 9 nach dem Depotbrand 1953.
© Sammlung Tramclub Basel

Wie andere in jener Zeit in Pratteln gebaute Drehgestelle bedurften auch die der Wagen 8 und 9 verschiedener Verbesserungen. Bereits 1958 verbesserte SWP auf eigene Kosten die Kastenfederung. 1967 bzw. 1970 mussten die Fahrwerke gar durch neue ersetzt werden.

1971 durchliefen die beiden Motorwagen eine umfassende Revision, bei welcher unter anderem die Längs- und Querträger verstärkt und die Stossbalken demontiert sowie die untere Stirnwandpartien neu verblecht wurden. Die +GF+-Kupplungen wichen BSI-Kupplungen. Die Vielfachsteuereinrichtungen wurden ausgebaut. Eine Fernsteuerung von den Bt 21–27 aus war ebenfalls nicht möglich. Beim ABe 4/4 8 wurden diese Arbeiten verbunden mit einer Kollisionreparatur in der SBB-Werkstätte Meiringen ausgeführt.

1972 wurde der Zugfunk nachgerüstet. Aufgrund der Aufgabe der ersten Wagenklasse bei der BTB wurden die beiden Motorwagen per 1. Juli 1973 zu Be 4/4 deklassiert. Die Inneneinrichtung blieb bis zuletzt unverändert.

Anlässlich der Fusion der Basler Vorortsbahnen kamen beide Wagen zur Baselland Transport AG (BLT), wo sie mit unveränderten Wagennnummern weiterbetrieben wurden (siehe Be 4/4 8 und 9).

Fahrzeugporträts

BCe 4/4 8

→ ab 1956 ABe 4/4 8, ab 1973 Be 4/4 8

Inbetriebsetzung: 22.08.1951
Ausmusterung: –

Verbleib: 1974 an BLT (Be 4/4 8) → 1984 augemustert → 1988 an St&H-GV (ET 23.109) → 1999 an St&H-VA (ET 26.111) → 2016 nach RO-Rășinari

06.01.1971: Frontalkollision mit ABe 4/4 16 zwischen Bottmingen und Oberwil (Reparatur in Meiringen mit Neuanstrich ganz in Blau, Normalisierung der Farbgebung im Frühjahr 1972)

BCe 4/4 9

→ ab 1956 ABe 4/4 9, ab 1973 Be 4/4 9

Inbetriebsetzung: 29.09.1951
Ausmusterung: –

Verbleib: 1974 an BLT (Be 4/4 9) → 1984 augemustert → 1988 an St&H GV (ET 23.110) → 1999 St&H VA (ET 26.112) → 2003 abgebrochen (nach Kollision)

02.01.1953: Bei Depotbrand in Oberwil stark beschädigt (Reparatur bei SWP)

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