Auf dem Abstellgleis in Pratteln steht am 25. Mai 1990 der sich weitgehend im Ablieferungszustand befindende Be 4/4 461 bzw. am 23. September 2009 der heutige Museumswagen Be 4/4 457.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 3.161 bzw. 3_16)

Mitte der Sechzigerjahre hatte die Überalterung des Rollmaterials der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) ein Ausmass erreicht, das einen rationellen Betrieb kaum mehr ermöglichte. In den Jahren zuvor waren vom Volk wiederholt Rollmaterialvorlagen an der Urne verworfen worden.

Dem damaligen Tramdirektor gelang es schliesslich mit unermüdlichem Einsatz, auch der Gegnerschaft klar zu machen, dass beispielsweise ein Messeverkehr ohne Tram kaum zu bewältigen wäre. Am 11. November 1966 bewilligte der Grosse Rat einen Kredit zur Beschaffung von 20 Gelenk-Motorwagen (Be 4/6 603–622 DÜWAG), 20 Grossraum-Motorwagen (Be 4/4 457–476) und 20 Grossraum-Anhängewagen. Gegen diese Vorlage wurde kein Referendum mehr ergriffen.

Technische Daten bei Inbetriebsetzung:

Typenbezeichnung: Be 4/4
Anzahl Wagen: 20
Wagennummern: 457 bis 476
Im Linienbetrieb: 1967 bis 2016

Mechanischer Teil: SWP
Elektrische Ausrüstung: BBC, S-E
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 464’982.–
Länge über alles: 13’745 mm
Grösste feste Breite: 2’200 mm
Grösste feste Höhe: 3’750 mm
Radsatzabstand im Drehgestell: 1’860 mm
Drehgestellmittenabstand: 6’400 mm
Radsatzfolge: Bo’Bo‘
Dienstgewicht: 20’000 kg
Sitz-/Stehplätze: 28+2/67
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h

Anzahl Fahrmotoren: 4
Hersteller/Typ: BBC GLM 0300a
Stundenleistung: 4 x 90 PS bzw. 4 x 66 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:6,286

Bremsen: elektrische Widerstandsbremse, indirekt wirkende Druckluftbremse, Magnetschienenbremse, Handbremse, EPV für Anhängewagen-Druckluftbremse

Die zwanzig neuen Grossraum-Motorwagen mit den Betriebsnummern 457 bis 476 waren das Resultat einer konsequenten Weiterentwicklung der Ce 4/4 401–422, 423–452 bzw. der Be 4/4 453–456. Der Wagenkasten, eine vollständig geschweisste und selbsttragende Konstruktion aus Stahlblechen und Pressprofilen, war weitgehend gleich geblieben. Da nach wie vor für zweimänningen Betrieb mit Fahrgasfluss vorgesehen bekamen die Be 4/4 457–476 im hinteren Wagenbereich eine Billeteurkabine. Die Kabinen waren zuvor den Anhängewagen B 1416–1435 entnommen worden.

Die Drehgestelle von Schindler Waggon in Pratteln (SWP) waren nun luftgefedert und verfügten über Scheibenbremsen. Die längsliegenden Fahrmotoren trieben die Radsätze über Gelenkwellen und Winkelgetriebe an. Der Siemens-Fahrschalter lag nun hinter dem Führerstand unter einem kurzen Längssitz.

Be 4/4 463

Heckansicht des Be 4/4 463 (Aufnahme vom 6. Juli 1992).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 3.200)

Entsprechend den sich veränderten Einsatzbedingungen und den steigenden Ansprüchen von Fahrgästen und Personal erfuhren die Be 4/4 457–476 teils markante Änderungen und Umbauten.

Schon 1970 wurden die Billeteurkabinen wieder ausgebaut. Für den Einsatz in Vielfachsteuerung unter sich, mit den Be 4/4 477–502 und später mit den Be 4/6 659–686 baute die BVB-Werkstätte 1985 bis 1987 in elf Wagen (Be 4/4 466–476) die automatische Fahr-/Bremssteuerung SIBAS 16 von Siemens ein. Damit verbunden war auch die Montage der vorderen +GF+-Kupplung, einer 60-poligen Steckdose vorne sowie einer 60-poligen Kabelverbindung hinten. Ein neu eingebauter Hilfsfahrschalter im Heck erleichterte Rangiermanöver.

Im Rahmen von Revisionen ab 1994 erhielten alle 20 Wagen kleinere Frontscheinwerfer und bequemere, vierstufige Einstiege mit angepassten Klapptrittbrettern. 2003 wurden bei den Be 4/4 457–465 Führerstand-Klimageräte nachgerüstet.

Die Be 4/4 457–476 wurden ursprünglich auf den Bruderholzlinien 5/15/16/26 eingesetzt und ersetzten dort zweiachsiges Rollmaterial. Die für Mehrfachtraktion umgebauten Be 4/4 466–476 liefen ab 2000 hauptsächlich am Zugschluss von sogenannten Sandwichzügen Be 4/4 + B + Be 4/4 auf der Linie 3. Zuvor waren sie auf der Linie 6 im Einsatz. Hingegen blieben die ersten neun Wagen der Serie den Bruderholzlinien bis zum Schluss treu und liefen nur höchst selten auf anderen Linien.

Dank gutem Unterhalt und kontinuierlicher Modernisierung standen die Be 4/4 457–476 knapp fünfzig Jahre in Betrieb. Ganzwerbungen trugen nur der Be 4/4 465 (2008) und der Be 4/4 457 (2014). Letzterer blieb als historisches Fahrzeug der Nachwelt erhalten, ist jedoch nicht mehr betriebsfähig. Die übrigen Motorwagen dieser Serie wurden zwischen 2012 und 2016 verschrottet.

Be 4/4 462

Schicksal aller Wagen mit Ausnahme des Be 4/4 457: Abbruch bei der Firma Thommen AG in Kaiseraugst.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 3_184)

Fahrzeugporträts

Be 4/4 457

Inbetriebsetzung: 18.08.1967
Ausmusterung: – (seit 2016 remisiert)

01.04.2008: Nach Kollision mit Reisebus auf der Markthallenkreuzung umgekippt (Reparatur bis 12.2008)
2014 bis 2014: Ganzwerbung «H&M Home»

Be 4/4 458

Inbetriebsetzung: 12.09.1967
Ausmusterung: 2015

Verbleib: Abbruch (Thommen, Kaiseraugst)

Be 4/4 459

Inbetriebsetzung: 04.10.1967
Ausmusterung: 2015

Verbleib: Abbruch (Thommen, Kaiseraugst)