Um 1950 präsentiert sich der Ce 2/2 69 auf dem Areal der Oberbauwerkstätte hinter dem BVB-Depot Dreispitz. Mit neuem Untergestell und Scherenstromabnehmer repräsentiert er den letzten Betriebszustand der Fahrzeuge dieser Serie. Gut erkennbar das gewölbte untere Blech an der Längsseite.
© BVB (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)

Für den weitgehenden Ersatz der einmortorigen LDo-Wagen bestellten die Basler Strassenbahnen (B.St.B.) anno 1910 einen Mustermotorwagen Ce 2/2 137 (ab 1918 Nr. 56), der für den Einsatz auf der Linie 3 mit der steilen Kohlenbergrampe vorgesehen war. Als damals sensationelle Neuerung wies er gebogene Plattform-Eckscheiben auf. Aufgrund der Blendwirkung erfolgte allerdings bald deren Ersatz durch flache Scheiben. Die ebenfalls eingebaute Spindelbremse erwies sich als problematisch und wurde kurze Zeit später durch eine Kettenbremse ersetzt. Eine Magnetschienenbremse fehlte.

Einzige bekannte Aufnahme des Ce 2/2 137 im Ablieferungszustand mit gebogenen Plattform-Eckscheiben. Die elektrische Ausrüstung ist noch nicht eingebaut.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen

Der Mustermotorwagen hinterliess einen guten Eindruck, obwohl die Konstruktion im Vergleich zu den bereits vorhandenen Ce 2/2 101–136 keine Weiterentwicklung, sondern eher einen Schritt rückwärts darstellte. Trotzdem platzierten die B.St.B. bei der Schweizerischen Wagonsfabrik Schlieren AG (SWS) eine Folgebestellung von 14 weiteren Motorwagen (Ce 2/2 138–151, ab 1918 Nrn. 57–70). Diese wurden auch daher dringend benötigt, um die hohen Fahrgastfrequenzen während dem vom 5. bis 9. Juli 1912 stattfindenden Eidgenössichen Turnfest abzufangen. Damit bei Festbeginn alle Wagen rechtzeitig zur Verfügung standen, verlangten die B.St.B. eine Konventionalstrafe von 500 Franken pro Tag für jeden Wagen, welcher am 1. Juni 1912 nicht zur Verfügung stand. Dennoch traf der letzte Ce 2/2 dieser Serie erst am 20. Juli 1912 in Basel ein…

Die Wagen der Serienausführung verfügten über Magnetschienenbremse und gerade Plattform-Eckscheiben. Anstelle der für Basler Verhältnisse exotischen Siemens-Motoren kamen solche der Electrizitäts-Gesellschaft Alioth & Co. zum Einbau.

Das Fahrgastabteil verfügte über drei Seitenfenster, wovon das mittlere breit und die äusseren schmaler ausgeführt waren.  Äusserlich konnten die Längssitzwagen leicht von anderen Dreifensterwagen unterschieden werden: Das der Serie eigene Charakteristikum waren ihre markante, konkav geformtes Bleche an den unteren Längsseiten, welche bei einigen Fahrzeugen später aber duch flache Bleche ersetzt wurden (beispielsweise beim Wagen Nr. 61).

Anfangs der Zwanzigerjahre baute die B.St.B.-Werkstätte Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen ein. Zwischen 1931 und 1933 erhielt die ganze Serie wegen unbefriedigender Laufeigenschaften neue Untergestelle mit grösserem Achsabstand und automatischen Lattenfendern. Das Taragewicht erhöhte sich auf 12’650kg bis 12’850 kg. Bei dieser Gelegenheit wurden auch leistungsstärkere Motoren eingebaut, die später aber wegen Problemen bei den Fahrschaltern wieder durch schwächere getauscht werden mussten.

Technische Daten bei Inbetriebsetzung:

Typenbezeichnung: Ce 2/2
Anzahl Wagen: 15
Wagennummern: 137, 138 bis 151 (ab 1918 Nrn. 56, 57 bis 70)
Im Linienbetrieb: 1912 bis 1967

Mechanischer Teil: SWS
Elektrische Ausrüstung: SSW (Nr. 137), EGA (Nrn. 138 bis 151)
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 20’060.– (Nr. 137), CHF 20’890.– (Nrn. 138 bis 151)

Länge über alles: 8’780 mm
Grösste feste Breite: 2’150 mm
Grösste feste Höhe: 3’800 mm
Radsatzabstand: 2’000 mm
Radsatzfolge: Bo
Dienstgewicht: 9’700 kg (Nr. 137), 10’000 kg (Nrn. 138 bis 151)
Sitz-/Stehplätze: 16/18
Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h

Anzahl Fahrmotoren: 2
Hersteller/Typ: SSW D 54 (Nr. 137), EGA GTM 25a (Nrn. 138 bis 151)
Stundenleistung: 2 x 31 PS bzw. 2 x 23 kW (Nr. 137), 2 x 33 PS bzw. 2 x 24 kW (Nrn. 138 bis 151)
Übersetzungsverhältnis: 1:4,9

Bremsen: elektrische Widerstandsbremse, Magnetschienenbremse (Nrn. 138 bis 151), Handbremse, Einrichtungen für Anhängewagen-Solenoidbremse

Von 1912 bis 1951, also fast 40 Jahre lang, prägten diese Wagen die Linie 3. Als der Dreier ab 1951 mit modernen Vierachsern der Serie Ce 4/4 401ff. ausgerüstet worden war, kamen die Ce 2/2 56–70 auf die Linie 2, waren jedoch auch auf den Auslandstrecken nach St-Louis (Linie 5) und Lörrach (Linie 6) anzutreffen.

Interessant ist, dass alle Wagen gegen 55 Jahre lang in Betrieb blieben und in relativ kurzem Zeitrraum ausgemustert wurden. Lediglich der Ce 2/2 70 wurde bereits 1951 aus dem Fahrgastbetrieb zurückgezogen und als Dienstwagen Xe 2/2 2001 weiterverwendet. Leider blieb kein Fahrzeug dieser Serie der Nachwelt erhalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Betriebseinstellung 1967 prägten die Wagen der Serie 56–70 den Betrieb der Linie nach Lörrach massgeblich mit (1966, Lörrach Turmstraße).
© A. Spühr (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)

Spätere Änderungen (Auswahl):

  • 1913: Nachrüstung Magnetschienenbremse (nur Ce 2/2 137)
  • 1914: Montage von Streifkupplungen
  • 1926: Einbau optische Signalgebung und Dachrutenkupplungen
  • 1934–1935: Ersatz des Lyrabügels durch einen Pantographen
  • 1936: Schutzhauben für Liniennummernschilder
  • 1955: Richtungsblinker

Namen anlässlich des Jubiläums «60 Jahre BVB» (1955)

  • Ce 2/2 56: zum Sausewind
  • Ce 2/2 57: zur Fortuna
  • Ce 2/2 58: zum Zank
  • Ce 2/2 59: zur Ehrenburg
  • Ce 2/2 60: zum Fälklein
  • Ce 2/2 61: zur Zosse
  • Ce 2/2 62: zur gelben Schraube
  • Ce 2/2 63: zum Kameel
  • Ce 2/2 64: zum Parisäer
  • Ce 2/2 65: zur Muschel
  • Ce 2/2 66: zum Vogel Strauss
  • Ce 2/2 67: zur Laterne
  • Ce 2/2 68: zum Mond
  • Ce 2/2 69: zum Ritter

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