Wagen 115 nach einer Revision im Frühjahr 2003. Die rote Bauchbinde ist nun tiefer gesetzt.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 6.340)

Mit der Übernahme der Birseckbahn AG (BEB) durch die Baselland Transport AG (BLT) im Zusammenhang mit der Fusion der Basler Vorortsbahnen anno 1974 kamen auch die acht Gelenkwagen Be 4/6 101–108 der BEB zur neuen Gesellschaft. Die in den frühen Siebzigerjahren beschafften Gelenkwagen hatten zu markanten Frequenzzunahmen auf der Birseckbahn beigetragen. Der hellgelbe Birseckbahn-Anstrich wich relativ rasch den Farben des neuen Betreibers (Verkehrsgelb-Blutorange).

Um Doppeltraktionen bilden zu können bestellte die BEB weitere sieben Gelenkwagen Be 4/6 109–115 gleicher Bauart nach. Diese trafen 1975–76 ein und waren bereits in den Farben der BLT gehalten. Gegenüber den Be 4/6 101–108 waren sie von Anfang an für den Doppeltraktionsbetrieb eingerichtet, besassen einen Einholm-Stromabnehmer der Bauart BBC und einen Kolbenkompressor.

Die Be 4/6 109–115 verkehrten vorerst zusammen mit ihren älteren Geschwistern auf der ehemaligen Birseckbahn-Strecke Aeschenplatz–Dornach (ab 1. Januar 1975 BLT-Linie 10), ab 1986 vorwiegend auf der Linie 17 (Ettingen–Wiesenplatz bzw. Mustermesse). In den letzten Einsatzjahren zwischen 1999 und 2015 liefen sie nur noch hinter Be 4/8 auf den Linien 10 und 11.

Be 4/6 102

Heckansicht des am Schluss einer stilreinen Doppeltraktion laufenden Be 4/6 102 (Aufnahme vom September 1986).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 6.15)

Technische Daten bei Übernahme durch BLT/Inbetriebsetzung:

Typenbezeichnung: Be 4/6
Anzahl Wagen: 15
Wagennummern: 101 bis 108, 109 bis 115
Im Linienbetrieb: 1971 bis 2016

Mechanischer Teil: SWP
Elektrische Ausrüstung: BBC, S-E
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 582’220.–
Länge über alles: 19’970 mm
Grösste feste Breite: 2’200 mm
Grösste feste Höhe: 3’660 mm
Radsatzabstand im Triebdrehgestell: 1’830 mm
Radsatzabstand im Laufdrehgestell: 1’700 mm
Drehgestellmittenabstand: 2 x 6’200 mm
Radsatzfolge: B'(2)B‘
Dienstgewicht: 22’400 kg
Sitz-/Stehplätze: 46+1/104
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h

Anzahl Fahrmotoren: 2
Hersteller/Typ: BBC 4ELG 2057
Stundenleistung: 2 x 204 PS bzw. 2 x 150 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:5,63

Bremsen: elektrische Widerstandsbremse, indirekt wirkende Druckluftbremse, Magnetschienenbremse, hydromechanische Feststellbremse, EPV für Anhängewagen-Druckluftbremse

Be 4/6 113

Der Be 4/6 113 entgleiste am 2. November 2011 in Münchenstein und wurde anschliessend als erster ausgemustert und abgebrochen.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 6_153)

Der Be 4/6 113 entgleiste am 2. November 2011 in Münchenstein und wurde anschliessend als Erster ausgemustert und abgebrochen.

Am 13. Juni 2013 fuhr der Be 6/10 167 heftig auf den in der Haltestelle Oberwil stehenden Be 4/6 110 (hinter Be 4/8 246 laufend) auf. Die BLT verzichtete auf eine Reparatur und remisierte den Be 4/6 110 in Rodersdorf. Am 18. November 2015 erfolgte der Abbruch in Kaiseraugst.

Anlässlich des Jubiläums «40 Jahre BLT» bekam der Be 4/6 105 im Mai 2014 seinen originalen hellgelben Birseckbahn-Anstrich zurück. Leider gelang es nicht, diesen Wagen museal in der Region Basel zu erhalten.

Per Ende 2015 erfolgte die Ausserbetriebsetzung der gesamten Serie (als letzter Be 4/6 105 am 5. Januar 2016). Mit Ausnahme der schon zuvor abgebrochenen Be 4/6 110 und 113 gelangten alle Wagen nach Belgrad. Nach kleineren Anpassungen (Entwerter, Rückleuchten, Demontage Kupplungen) kamen die meisten davon mit 700er-Nummern in Betrieb. Im Herbst 2016 wurde der Wagennumer zusätzlich die Ziffer 2 vorangestellt.

Spätere Änderungen (Auswahl):

  • 19??: Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 65 km/h
  • 1975–1976: Umlackierung in BLT-Farben (Be 4/6 101–108)
  • 1976: Kupplungen und Steckdosen für Doppeltraktionsbetrieb (Be 4/6 101–108)
  • 1980: Sprechfunk und Anbindung an Betriebsleitsystem
  • 1982: Frequenzweichensteuerung
  • ab 19??: Ersatz der SLM-Lamellenkompressoren fallweise durch Schrauben- oder Kolbenkompressoren
  • 1997–2000: Ersatz der rotierenden Umformergruppe durch ein statisches Ladegerät
  • 1984–1987: Einrichtungen für Anhängerbetrieb (101–102, 109–115)
  • ab 1998: Faltenbalg- statt Hohlkammergummituch-Gelenkübergang, Anpassungen am Gelenkportal
  • ab 1999: Rote Bauchbinde tiefergesetzt und BLT-Signet neu unmittelbar vor (rechte Wagenseite) bzw. hinter (linke Wagenseite) dem Gelenk (Anpassung an 200er-Wagen)
  • ab 2003: Einbau Videoüberwachung
  • ab 2005: Ersatz der Simatic durch Selectron

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