Als im Jahre 1895 der Basler Strassenbahnbetrieb eröffnet wurde, war die Schweizerische Industrie-Gesellschaft (SIG) die einzige Eisenbahnwagenbaufirma in der Schweiz 1). Das Unternehmen, das zu jenem Zeitpunkt bereits eine jahrzehntelange Erfahrung im Fahrzeugbau vorweisen konnte, wurde 1853 unter dem Namen «Schweizerische Wagon Werke bei Schaffhausen» von den drei Industrie-Pionieren Friedrich Peyer im Hof (1817–1900), Heinrich Moser (1805–1874) und Conrad Neher (1818–1877) gegründet.

Die Lage des Werkes nahe dem berühmten Rheinfall war kein Zufall, denn die Nutzung der Wasserkraft war vor 150 Jahren der wichtigste Faktor bei der Suche nach einem geeigneten Standort. Die Firma trat 1860 bis 1863 kurz als Schweizerisch-Belgische Industrie-Gesellschaft auf, ab 1863 wieder als rein helvetische Schweizerische Industrie-Gesellschaft. Um 1861 stieg die SIG in die Produktion von Handfeuerwaffen ein und fertigte ab 1905 Verpackungsmaschinen sowie weitere Erzeugnisse wie Elektrokarren oder Pressluftwerkzeuge.

Bis 1969 waren 25’000 Schienenfahrzeuge abgeliefert worden. 1982 wurde ein Spezialisierungsabkommen zwischen der SIG und dem Schindler-Konzern abgeschlossen, nach dem Schindler fortan nur noch Wagenkästen und SIG nur noch Drehgestelle baute.

Ein grosser Erfolg war das elektromechanische Neigesystem, das SIG zusammen mit Curtiss-Wright entwickelte und das unter anderem beim SBB-Neigezug ICN zur Anwendung kam.

1995 brachte SIG den Schienenfahrzeugbereich zu 60 Prozent in ein Joint-venture mit FIAT ein (neu Fiat-SIG Schienenfahrzeuge AG). Auf den 1. Januar 2001 übernahm Alstom die Mehrheit bei FIAT Ferroviaria. Im November 2000 verkaufte die SIG dann ihre Restbeteiligung an Alstom. Die Schienenfahrzeugsparte hiess nun Alstom Schienenfahrzeuge AG, Neuhausen und beschäftigte ca. 200 Mitarbeiter. Sie war Kompetenzzentrum für die Entwicklung von Drehgestellen vor allem für Neigezüge.

Im März 2005 schloss Alstom das Werk Neuhausen für die Produktion und beschänkt sich seither mit ca. 50 Mitarbeitern auf das Servicegeschäft. Das SIG-Waffengeschäft wurde bereits 2000 abgestossen. Somit blieb vom Unternehmen nur noch der Bereich Verpackungen übrig.


1) Zwei Unternehmungen, die sich in den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts ebenfalls mit dem Bau von Eisenbahnwagen befassten, mussten bereits nach wenigen Jahren liquidieren. Es handelte sich um die «Société Fribourgeoise de Fabrication des Wagons» und die «AG Fabrik für Eisenbahnmaterial, Bern».