Wagen 1 im Ablieferungszustand mit senkrecht stehender Frontscheibe bzw. Wagen 2 im heutigen Zustand als Museumsfahrzeug.
© BVB (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen) bzw.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 102.56)
 

Für den Betrieb der beiden ersten Basler Autobuslinien A und B beschafften die damaligen Basler Strassenbahnen (B.St.B.) sechs Autobusse. Vier davon, die Wagen Nrn. 1 bis 4, wurden als zweiachsige Normallenker mit einem Fahrgestell von Saurer und einem Aufbau von Reinbolt & Christe ausgeführt. Wie seinerzeit bei vielen schweren Nutzfahrzeugen üblich und zum leichteren Bedienen der Fahrgäste beim Einmannbetrieb wurde der Fahrerplatz rechts angeordnet.

Saurer 4 BPO BL Nr. 1

Wagen 1 mit Holzgasanhänger während des Zweiten Weltkriegs.
© B.St.B./BVB (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)

Der sechszylindrige, wassergekühlte Benzinmotor Saurer BL hatte ein Hubvolumen von 8,55 Litern und leistete respektable 74 kW bzw. 100 PS.

Infolge der ungenügenden Versorgung der Schweiz mit Brenn- und Treibstoffen im Zweiten Weltkrieg wurden die Wagen 1 und 3 von 1941 bis nach Kriegsende mit Holzgas betrieben, wozu den Bussen ein auf einem einrädrigen Anhänger installierter Holzgasgenerator (System Imbert) mitgegeben werden musste.

Zwischen 1935 und 1937 wurden die Stirnfronten aller Wagen erneuert. Die nun schräggestellte Frontscheibe verlieh den Fahrzeugen ein ungleich moderneres Aussehen.

Zwei Wagen (Nrn. 2 und 4) wurden 1940 bei einem Brand in der Garage Wiesenplatz stark beschädigt und anschliessend ausgemustert. Teile davon fanden für den Bau der beiden Trolleybusse 12 und 13 Verwendung.

Die Wagen 1 und 3 durchliefen 1943 bzw. 1947 ein Modernisierungsprogramm, bei welchem Reinbolt & Christe den ursprünglichen verblechten Holzaufbau durch eine Aluminiumkarosserie ersetzte. Gleichzeitig wich der Benzinmotor einem Dieselmotor Saurer CT1D mit 77 kW bzw. 105 PS.

Die Nummer 1 schied 1959 aus. Der Wagen 3, welcher 1947 im Rahmen der Modernisierung zur neuen Nummer 2 wurde, blieb erhalten. 1983 umfassend restauriert ist er heute noch als betriebsfähiger Museumswagen vorhanden.

Auskünfte über Extrafahrten unter www.bvb.ch, im BVB-Kundenzentrum am Barfüsserplatz, per Mail an extrafahrten@bvb.ch oder Tel. +41 61 685 14 14.

Technische Daten bei Inbetriebsetzung:

Typ: Saurer 4 BPO BL
Anzahl Wagen: 4
Wagennummern: 1 bis 4 (ab 1947/48 Nrn. 1 und 2)
Im Linienbetrieb: 1930 bis 1959

Chassis: Saurer
Karosserie: R&C
Anschaffungskosten: CHF 57’000.–

Länge über Stossbalken: 9’350 mm
Breite: 2’400 mm
Grösste feste Höhe: ca. 2’800 mm
Radstand: 5’800 mm
Taragewicht: ca. 7’300 kg
Sitz-/Stehplätze: 26+1/14
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h

Motor: Saurer BL
Anzahl Zylinder: 6
Hubraum: 8’552 ccm
Leistung: 100 PS bzw. 74 kW

Getriebe: 4-Gang-Handschaltgetriebe Saurer 4 BL

Bremsen: hydraulische Vierrad-Vakuumbremse, Motorbremse (Patent Saurer), mechanische Handbremse

Namen anlässlich des Jubiläums «60 Jahre BVB» (1955)

  • Nr. 1: Guckehysli
  • Nr. 2: Gniempi

Fahrzeugporträts

Saurer 4 BPO BL Nr. 1

Kennzeichen: 4201 T, ab 1933 BS 1801

Inbetriebsetzung: 1930
Ausmusterung: 1959

Verbleib: an Ciba AG, Stein (Nr. 4), später an Privat → 1992 an Hofstra Reizen/Friesch Rijdend Autobus Museum, Drachten (NL) (Nr. 14, später Nr. 16)

Saurer 4 BPO BL Nr. 2

Kennzeichen: 4202 T, ab 1933 BS 1802

Inbetriebsetzung: 1930
Ausmusterung: 1941

Verbleib: am 12.01.1940 zerstört bei Brand Garage Wiesenplatz, Chassis für Trolleybus Nr. 12)

Saurer 4 BPO BL Nr. 3

→ ab 1947 Nr. 2

Kennzeichen: 4203 T, ab 1933 BS 1803, ab 1947 BS 1802

Inbetriebsetzung: 1930
Ausmusterung: –

1959: Rückzug aus dem Linieneinsatz und Weiterverwendung für Fahrschule; seit 1983 historisches Fahrzeug