Leider kam es immer häufiger vor, dass die modernen Anhänger – wegen der aufkommenden Abonnemente – ohne Bedienung eingesetzt wurden. Und ausgerechnet im Morgartendepot wurden die meisten neuen Drämmli eingesetzt, so dass wir zum Pendeln auf andere Linien verurteilt worden waren. Ich tat dies nicht besonders gerne.

So kam es, dass ich am 25. Februar 1963 wieder einmal auf der Tramlinie 14 meinen Dienst ausübte. Ich musste am Rothausweg (heute Rothausstrasse) den Gegenkurs Richtung Stadt nehmen. Zwischen Muttenz Dorf und der Haltestelle Schützenstrasse war ein Garten mit Spalierbäumen, darauf folgte der Bahnübergang Sevogelstrasse, der zum Befahren sehr unübersichtlich war. Ich stand gerade bei einem Herrn, der Mühe hatte mit dem Kleingeld, deshalb lehnte ich mich an die Sitzbank. Plötzlich bremste der Tramzug in voller Fahrt abrupt. Ich war erstaunt, weil die Haltestelle noch nicht fällig war. Ich schaute nach vorne – und erschrak: Der ganze Motorwagen drehte sich um 90 Grad nach links aufs Gegengleis. Mir zitterten die Knie.

Allmählich begriff ich was geschehen war. Ein Konsum-Lastwagen wollte das Trassee überqueren und hat dabei das Tram übersehen. Es kam zur Kollision und der Motorwagen wurde aus den Schienen gehoben. Dank des Fahrgastes befand ich mich nicht gerade zwischen den beiden Anhängern, sondern war im Wageninnern. Sonst wäre ich wohl nicht heil davongekommen. Ich stieg aus und ging nach vorne in der Hoffnung, dass nichts Schlimmes passiert sei. Zum Glück hatte es nicht viele Fahrgäste, alle sind heil davon gekommen. Der Wagenführer konnte sich unter der Absperrstange durchfallen lassen. Als ihm mein Billeteur-Kollege zur Hilfe eilen wollte, fiel er der Länge nach hin. Doch auch sie beide kamen mit dem Schrecken davon. Der Lastwagenchauffeur hatte eine Wunde an der Stirn und einen Schock.

Ich rannte auf die Strasse, hielt einen Jungen auf dem Fahrrad an und sagte ihm, er solle so schnell er kann zum Schänzli fahren, wo eine Tramschlaufe zum Wenden sei, und dem Wagenführer des nächsten Kurses Richtung Muttenz sagen, dass er nicht mehr weiter fahren könne. Trotzdem reichte es nicht, alle Trams aufzuhalten. Eines stand mitten auf der Strecke und musste zur Schlaufe Schänzli zurückfahren.

Ich rannte zum nächsten Haus, um zu telefonieren und die Unfallgruppe aufzubieten. Wie lange es dauerte, bis diese am Unfallort eintraf, weiss ich nicht mehr. Es war auf jeden Fall ein Kontrolleur dabei, der mich zur Haltestelle Schützenstrasse schickte, um den wartenden Fahrgäste Bescheid zu sagen, dass zwischenzeitlich ein Bus eingesetzt werde. Das alles geschah um ca. 15 Uhr. Um 19 Uhr hätte ich Feierabend gehabt. Darum ging ich zurück zur Unfallstelle. Dort herrschte eine grosse Hektik, denn der Kontrolleur wusste nicht mehr, dass er mich als Infostelle zur Schützenstrasse geschickt hatte, deshalb hätten sie mich vermisst und überall gesucht. Die Rettungskräfte mussten überlegen, wie sie den Motorwagen wieder in die Geleise stellen konnten. Da ich nach Hause ging, weiss ich nicht, wie lange die ganze Rettungsaktion noch gedauert hat.

Im Übrigen war es bitterkalt. Zu Hause hatte ich noch immer den Mantel an und die Kasse umhängen, und auf einmal fing ich an, wie ein Schlosshund zu heulen. Damals wohnte ich noch bei meinen Eltern. Meine Mutter kam angerannt und fragte mich, was passiert sei. Erst jetzt realisierte ich, was wirklich geschah. Nachdem sich die ganze Anspannung gelöst hatte, konnte ich ihr alles erzählen. Ich war froh, dass nichts Schlimmes passiert ist!

Be 2/2 204
So präsentierte sich der Be 2/2 204 nach der Kollision mit dem Konsum-Lastwagen am 25. Februar 1963 in Muttenz. Kaum zu glauben, dass der Wagenführer nicht verletzt wurde! Der Motorwagen stand nach nur wenigen Wochen Reparatur in der BVB-Hauptwerkstätte wieder im Einsatz.
© BVB

Zuletzt aktualisiert am 29. Mai 2026 von Dominik Madörin