Autobusse der Birsigthalbahn AG am 24. April 1956 in Oberwil: Links Alfa Romeo Nr. 3, rechts Saurer Nr. 2 ex VBZ. Im Hintergrund ist das Heck des etwa zwischen 1950 und 1961 betriebenen Cammionage-Lastwagens Opel Blitz erkennbar.
© Peter Willen (Sammlung Bernhard Willen, CH-Samedan)

In den unsicheren Zeiten des Zweiten Weltkriegs übten Automobilunternehmen in der Schweiz bei Neuanschaffungen eher Zurückhaltung. Umso grösser war der Nachholbedarf nach Kriegsende. Die einheimische Nutzfahrzeugindustrie war jedoch nicht in der Lage, die Nachfrage in einigermassen akzeptablen Fristen zu decken. So wurden Chassis oder gar komplette Autobusse aus dem Ausland importiert. Neben Bussen von Alfa Romeo tauchten so in der Schweiz auch Fahrzeuge von Hanomag, Ford (USA) oder Chevrolet (z. B. Wagen Nr. 1 der Birsigthalbahn AG) auf.

Die Schweizerische Reisepost bestellte in Italien. Als Basis für 50 neue Postautos dienten Fahrgestell und Motor des ab 1942 von Alfa Romeo Veicoli Industriali (Alfa Romeo V.I.) produzierten Lastwagens Typ 430. Das daraus abgeleitete Niederrahmen-Chassis 430A eignete sich dank seines kurzen Radstands von 4,20 Metern besonders gut für mittelgrosse Busse.

28 der 1948 an die PTT-Regie gelieferten Fahrzeuge (P 2084 bis P 2111) bekamen einen gefälligen Aufbau der weitgehend unbekannten Metallbaufirma IGMA in Arcore bei Monza. Als typische Schweizer Alpenwagen konzipiert verfügten sie über Heckgepäckraum mit separater Türe, hochklappbare Heckbank, Rechtslenkung und hochgezogenen Wagenboden im Heck für den Einsatz auf steilen Gebirgsstrassen. Das Stoff-Faltverdeck System Hess wurde aus der Schweiz zugeliefert. Der vorne stehend eingebaute Vierzylinder-Dieselmotor aus Leichtmetall holte aus 5,82 Litern Hubraum 80 PS heraus.

Die 7,63 Meter langen Hochsitz-Frontlenker 1) fassten 40 Personen. 29 davon konnten sitzen. Der Zugang erfolgte durch eine hinten angeschlagene Schlagtüre hinter der Vorderachse. Ein fertiges Fahrzeug kostete 71’000 Franken – nur gut 70 Prozent eines vergleichbaren Schweizer Produkts!

Die Alfa-Romeo-Busse waren den starken Beanspruchungen in der Schweiz nicht gewachsen und schieden bereits 1955 bei der PTT wieder aus. Einer davon, der zuvor in Stalden (Wallis) stationierte Wagen P 2099, kam in der Folge als zusätzliches Fahrzeug für die Linie von Oberwil über Biel nach Benken zur Birsigthalbahn AG (BTB) und erhielt die Betriebsnummer 3. Auch auf der flachen Linie der BTB konnte der äusserlich recht gefällige Alfa die Erwartungen nur knapp erfüllten. 1963 wurde er wieder abgestossen.


1) Fahrzeug mit stehendem Frontmotor analog zum Normallenker («Schnauzenbus»), aber mit Fahrerplatz über der Vorderachse. Frontlenker-Busse können auch mit Mittel-/Heck-Unterflurmotor oder mit seitlich stehendem Motor ausgeführt sein

Technische Daten bei Übernahme:

Marke/Typ: Alfa Romeo 430A
Anzahl Wagen: 1
Wagennummer: 3
Im Linienbetrieb: 1955 bis 1963

Chassis: Alfa Romeo 430A
Karosserie: IGMA
Anschaffungskosten: CHF 16’000.–
Länge über Stossbalken: 7’630 mm
Breite: 2’230 mm
Höhe über alles: k. A.
Radstand: 4’200 mm
Taragewicht: 5’300 kg
Sitz-/Stehplätze: 29/11
Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h

Motor: Alfa Romeo 430A (Diesel)
Anzahl Zylinder: 4
Hubraum: 5’816 ccm
Leistung: 80 PS bzw. 59 kW

Getriebe: 4-Gang-Handschaltgetriebe

Bremsen: Einkreis-Druckluftbremse, Auspuff-Motorbremse, mechanische Handbremse

Fahrzeugporträt

Alfa Romeo 430A Nr. 3

→ ex PTT (P 2099, 1. Inv. 1948)

Kennzeichen: BL 7985

Inbetriebsetzung: 1955
Ausmusterung: 1963

Verbleib: k. A.

Zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2026 von Dominik Madörin