Der ehemalige Birsigthalbahn-Anhängewagen Nr. 59 und nunmehrige B 17 der Oberaargau–Jura-Bahnen (OJB) steht am 7. Februar 1975 beim Depot in Langenthal. Wohl kurz zuvor ein letztes Mal äusserlich aufgefrischt, trägt er einen gefälligen Zweifarben-Anstrich Rot-Crème.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. -)
Die Oberaargau–Jura-Bahnen (OJB) mit Sitz in Langenthal Mitten im Schweizerischen Mittelland entstanden per 1. Januar 1958 aus der Fusion der Langenthal–Jura-Bahn (LJB) und der Langenthal–Melchnau-Bahn (LMB).
Die LJB eröffnete am 26. Oktober 1907 ihre 15,1 Kilometer lange, mehrheitlich im Kanton Bern gelegene Bahnstrecke von Langenthal über Niederbipp nach Oensingen (Schulhaus) im Kanton Solothurn. Schon bei der Eröffnung war die meterspurige Strecke vollständig mit 1’200 Volt Gleichstrom elektrifiziert.
Langenthal wurde zehn Jahre später, am 6. Oktober 1917, auch zum Ausgangspunkt der LMB. Deren eigene, elf Kilometer lange Strecke nach Melchnau begann als Abzweigung bei der Station Gaswerk der LJB. Eine Zusammenarbeit beider Bahnen war von Anbeginn geplant. So wählte die LMB nicht nur dieselbe Spurweite und dasselbe Stromsystem wie die LJB, sondern übertrug dieser auch gleich die gesamte Betriebsführung.
Mit Eröffnung der Solothurn–Niederbipp-Bahn (SNB) am 9. Januar 1918 entstand in Niederbipp eine Gleisverbindung zu einer weiteren meterspurigen Sekundärbahn. Auch die SNB – dem Volksmund geläufiger als Bipperlisi – suchte den Kontakt zur LJB, schloss mit dieser einen Betriebsvertrag ab, übernahm das Stromsystem und führte gar einzelne durchgehende Züge von Solothurn bis nach Oensingen.
Als die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) ihren Regionalfahrplan auf der Jurasüdfusslinie ausbauten, verzeichneten sowohl die LJB als auch die SNB einen massiven Rückgang der Fahrgastzahlen. Insbesondere die LJB geriet dadurch in grosse finanzielle Not und musste den Kanton Bern um Hilfe bitten. Bern sagte zu, verlangte jedoch, dass die frequenzschwache, parallel zur SBB führende Teilstrecke von Niederbipp nach Oensingen eingestellt werde, was 1943 auch geschah. Den unrentabelsten, etwa eineinhalb Kilometer langen Abschnitt Oensingen Bahnhof–Oensingen Schulhaus hatte die LJB bereits 1928 auf eigene Initiative hin stillgelegt 1).
Ende der Fünfzigerjahre machte der Kanton Bern weitere finanzielle Hilfeleistungen für die Sanierung der Bahnstrecken im Oberaargau von einer Fusion abhängig. Aus politischen Gründen beschränkte sich diese vorerst auf die LJB und die LMB. Nachdem 1959 die beiden Bahngesellschaften einem Zusammenschluss zur OJB zugestimmt hatten, wurde dieser rückwirkend auf den 1. Januar 1958 vollzogen. Als Folge der Fusion wurde 1960 ein Vertrag über die Zusammenarbeit der – rechtlich weiterhin selbstständigen – Bahngesellschaften OJB und SNB sowie der Biel–Täuffelen–Ins-Bahn (BTI) geschlossen. Die von der LJB eingebrachte Werkstätte in Langenthal wurde auch zur Werkstätte für die SNB-Fahrzeuge. Ebenso tätigten die beiden Unternehmen ihre Neubeschaffungen von Fahrzeugen fortan gemeinsam.
1984 erfolgte die Gründung der Betriebsgemeinschaft Oberaargau-Solothurn-Seeland-Transport (OSST). Diese vereinte neben den nach wie vor juristisch unabhängigen Bahnen OJB, SNB und BTI auch Busbetriebe sowie die Bielersee Schifffahrts-Gesellschaft (BSG). Erst 1999 fusionierten die Unternehmen (ohne BSG) zur Aare Seeland mobil AG (asm oder asmobil) mit Sitz in Langenthal. Schon zuvor (1990) gab sich die OJB den neuen Namen Regionalverkehr Oberaargau (RVO).
Nach der Fusion von 1958 wurde eine umfangreiche Erneuerung von Gleisen und Fahrleitung der beiden Strecken der OJB in die Wege geleitet, finanziert durch die betroffenen Gemeinden und durch den Kanton Bern. Zusammen mit der SNB reichte die OJB auch auf Bundesebene ein Gesuch um weitere finanzielle Unterstützung ein. Mit den 1963 gesprochenen Subventionsgeldern in Höhe von 3,3 Mio. Franken (heute rund 10 Mio. Franken) wurde zum einen die bereits laufende Totalsanierung der Infrastruktur weitergeführt und insbesondere die weitgehende Trennung von Schiene und Strasse vorangetrieben. Nach Abschluss dieser Erneuerungsarbeiten konnte die Maximalgeschwindigkeit erhöht und damit die Reisezeit erheblich verkürzt werden.
Von der Birsigthalbahn AG übernommenes Rollmaterial
- BTB B 57 → OJB B 19 (1966) → BTI B 38 (1967)
- BTB B 58 → OJB B 18 (1966) → BTI B 37 (1968)
- BTB B 59 → OJB B 17 (1966) → OJB B 161 (1984)
Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Beschaffung neuen Rollmaterials. Der Fahrzeugpark der OJB, fast ausschliesslich aus Fahrzeugen aus der Eröffnungszeit sowie aus im Laufe der Jahre erworbenen Occasionen bestehend, war stark überaltert. Mit den Bundesmitteln konnten gemeinsam mit der SNB insgesamt sechs Trieb- und fünf passende Steuerwagen beschafft werden. Gleichzeitig nahm man den Ausbau von Werkstätte und Depot in Langenthal in Angriff.
Da die OJB infolge moderner Pendelzüge und kürzerer Fahrzeiten mit einer starken Zunahme des Verkehrs rechnete, wurden 1964 und 1966 von der Strassenbahn Schaffhausen–Schleitheim (StSS) sowie von der Birsigthalbahn AG (BTB) insgesamt vier ältere, vierachsige Anhängewagen als Spitzenverkehrswagen übernommen. Von der BTB zum Stückpreis von 4’000 Franken kamen die drei 1910 von der Schweizerischen Wagonsfabrik Schlieren A.G. (SWS) erbauten Wagen Nrn. 57 bis 59 (ex C4 47 bis 49) zur OJB. Nach geringen Anpassungen (z. B. Montage von +GF+-Kupplungen Typ GFN) und einer Neubemalung in Rot-Crème wurden sie mit den neuen Nummern 17 bis 19 dem Betrieb übergeben.
Rasch zeigte sich jedoch, dass die Verkehrsspitzen weitaus geringer ausfielen, als erwartet. Drei der vier Verstärkungswagen (B 18 und B 19 ex BTB sowie B 25 ex StSS) wurden daher bereits 1967/68 an die BTI weitergereicht. Lediglich der B 17 blieb bei der OJB. Im Zusammenhang mit der Einführung eines einheitlichen, dreistelligen Nummernschemas innerhalb der OSST-Betriebsgemeinschaft bekam er 1984 die neue Nummer 161. Ausmusterung und Abbruch folgten zwei Jahre später.
1) Die Strecke Niederbipp–Oensingen Bahnhof wurde 2010–12 wieder neu errichtet, verläuft nun allerdings unmittelbar neben dem SBB-Trassee und nicht mehr auf der Hauptstrasse.
Fahrzeugporträts
B 17
→ ex BTB (B 59), ab 1984 B 161
Übernahme: 1966
Inbetriebsetzung: 1967
Ausmusterung: 1986
Verbleib: 07.1986 abgebrochen (OJB, Langenthal)
B 18
→ ex BTB (B 58)
Übernahme: 1966
Inbetriebsetzung: 1967
Ausmusterung: 1968
Verbleib: an BTI (B 37)
B 19
→ ex BTB (B 57)
Übernahme: 1966
Inbetriebsetzung: 1966
Ausmusterung: 1967
Verbleib: an BTI (B 38)
Zuletzt aktualisiert am 17. April 2026 von Dominik Madörin




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