Wir fuhren auf jeder Linie einen Tag lang – meist noch mit alten Zweiachsern. Moderne Motorwagen und Anhänger, die für die Billeteure und Billeteusen spezielle Kabinen mit Sitz und Heizung hatten, wurden nur auf den Linien 3, 6 und 18 eingesetzt.

Alter und neuer Anhänger

Einmal musste ich nach Birsfelden, um einen der Anhänger zu übernehmen, die man damals zwischen den Stosszeiten abhängte und unter anderem in Birsfelden abstellte. Ich war gerade beim Coiffeur und trug meine Haare – wie es damals Mode war – stark toupiert. So passte mein kleiner Hut nicht mehr auf den Kopf, und ich nahm ihn deshalb in der Tasche mit.

Prompt stand am Aeschenplatz ein Kontrolleur. Er fragte mich, wo ich meinen Hut hätte und befahl mir, ihn aufzusetzen, falls es ein alter Anhänger sei. Ich bemerkte, dass ich meinem Hut garantiert nicht nachrennen würde, falls er mir vom Kopf fallen würde. Ich kam nach Birsfelden und zu meiner grossen Freude stand dort ein neuer Anhänger! Am Aeschenplatz stand nach wie vor der Kontrolleur. Ich grinste über das ganze Gesicht und genoss die Schadenfreude, als ich an ihm vorbeifuhr. Wütend drehte er sich um.

Be 4/4 441
Am 8. Juni 1961 steht der Be 4/4 441 an der Endhaltestelle der Linie 3 in Birsfelden. Auf den Abstellgleisen im Hintergrund sind abgestellte Anhänger erkennbar.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen

Ein Anhänger zu viel

Die Linie 3 hatte es in sich. Als ich eines Tages abends um zehn noch einmal Dienst hatte und in Birsfelden einen Anhänger übernehmen sollte, fiel mir nicht auf, dass noch ein zweiter Anhänger hinten dran hing. Erst ein Fahrgast machte mich an der Hardstrasse darauf aufmerksam. Irgendwie mussten beim Anhängen die Hörnli der Kupplung wieder eingeschnappt sein. Ich gab dem Wagenführer mit Handzeichen zu verstehen, dass wir hinten einen zusätzlichen Anhänger mitschleppten. Dieser musste dringend richtig gekuppelt werden, um ihn zu beleuchten und das Schlusslicht einzuschalten. Zudem war der Anhänger noch mit der Handbremse gesichert, die ich ebenfalls lösen musste. Danach fuhren wir mit dem Motorwagen und zwei Anhängern bis zur Burgfelden Grenze, was damals nicht üblich war. Am Barfüsserplatz kreuzten wir den Kurs, welcher den Anhänger in Birsfelden hätte ankuppeln müssen. Da wir aber in entgegengesetzter Richtung fuhren, konnte er seinen Anhänger erst wieder auf der Rückfahrt an der Burgfelden Grenze übernehmen, wo wir ihn von unserem Tramzug abhängten und abstellten. Zum Glück waren an diesem Abend nicht so viele Leute unterwegs, die das Tram benützten…

Klare Worte

An der Neuweilerstrasse musste ich einen St. Galler Anhänger abhängen, weil wir deren zwei mitführten. Ich war im Motorwagen. Im ersten Anhänger befand sich eine Kollegin, die ich lange nicht mehr gesehen hatte. Wir begannen miteinander zu reden, während sich der Tramzug zum Abhängmanöver rückwärts bewegte. Ich hätte eigentlich bei der ersten Türe beim Wagenführer stehen müssen, um die knappen Massangaben meines Kollegen, der beim Prellbock stand, dem Wagenführer verständlich weiterzugeben. Plötzlich gab es einen starken Ruck. Ob der Wagenführer zu schnell fuhr, war in diesem Moment nicht mehr ausschlaggebend. Aber wir hatten fünf krumme Puffer! «Mist!» entfuhr es mir. Zum Glück war ich beim Verband versichert, denn es wurde ein teurer Spass. Ich war dafür verantwortlich, weil ich wegen meines Geplauders die verlangte Position nicht eingenommen hatte.

Denselben Wagenführer hatte ich einmal an der Fasnacht. Wieder war ich als Bedienung auf dem St. Galler Anhänger. Wir fuhren von der Neuweilerstrasse über den Aeschenplatz nach Birsfelden. In jeder Kurve schlug es mich von der einen Ecke in die andere. Es bestanden kaum Möglichkeiten, sich festzuhalten. An der  Endhaltestelle ging ich zu Wagenführer und sagte ihm klar und unmissverständlich, dass, wenn er nicht endlich anständig fahre, ich am Aeschenplatz vom Wagen gehen würde und er danach selber schauen müsse, wie er ohne Bedienung zurecht komme. Er wusste, dass ich es ernst meinte, und zeigte sich plötzlich von seiner sanften Seite.

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Zuletzt aktualisiert am 30. Mai 2026 von Dominik Madörin