Die BVB konnten aus St. Gallen einige Anhänger übernehmen, da diese Stadt von Tram- auf Trolleybusbetrieb umgestellt hatte. Diese Fahrzeuge waren sehr gewöhnungsbedürftig, denn sie hatten links und rechts Längssitzbänke. Zogen die Fahrgäste ihre Beine nicht zurück, stolperte ich beim Durchgehen jedes Mal über ihre Füsse. Ein Kollege erzählte mir, dass er bei diesen Diensten jeweils genagelte Militärschuhe anzog. Deshalb kenne er diese Probleme nicht…

B2 1242
Die «St. Galler» hatten Längssitze, was neben den mässigen Laufeigenschaften ebenfalls nicht zur Steigerung ihrer Beliebtheit sowohl beim Personal als auch beim Publikum beitrug.
© BVB (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)

Giggerig

Es ist sicher verständlich, dass man einige Linien mehr liebte und andere weniger. So hatte ich im Anhänger der Linie 18 einen Dienst, den ich am Schützenhaus anfangen musste, gleichzeitig mit einem Kollegen, der auf der Autobuslinie 33 eingeteilt war. Dieser Bus fuhr damals nur vom Schützenhaus zur Wanderstrasse und zurück, und dies sechs bis sieben Mal in der Stunde. Ein Dienstteil dauerte vier Stunden. Der Kollege fragte mich, ob ich mit ihm die Linie tauschen könne, da ihm die Strecke zu holprig sei und er jeweils so stark durchgeschüttelt werde, dass ihn das erregte, also «giggerig» machte.

Guet Nacht!

An einem frühen Morgen suchte die Aufsicht einen Kollegen, der eigentlich seinen Dienst als Wagenführer beginnen sollte. Am Telefon bestätigte seine Frau, dass er schon längst das Haus verlassen hätte. Die Suche blieb erfolglos, bis der letzte 18er ausfuhr. Da fand man ihn schlafend in einem Anhänger liegend. Weil er zu früh war, entschloss er sich, sich noch ein wenig hinzulegen und zu schlafen. Er versäumte es, sich bei der Aufsicht zu melden und glaubte selber wieder aufzuwachen. Ein Irrtum!

Bloss Schikane

Es war üblich, dass wir an gewissen Tagen zwischen neun und elf Uhr die Anhänger abhängen mussten. Es war aber – wie in der Schweiz so üblich – von Depot zu Depot und von Linie zu Linie verschieden. So hatte ich eben auch immer wieder Mühe bei Diensten in anderen Depots (Wiesenplaz oder Dreispitz).

Eines Morgens musste ich an der Rosental Schlaufe beim Messeplatz (dort wo jetzt der Messeturm steht) den Anhänger abhängen. Es gab zwei Abstellgeleise, und es war natürlich vorgeschrieben, auf welches der Anhänger gestellt werden sollte. Zum Glück war auf dem Motorwagen ein Billeteur-Kollege, der sich auskannte und Bescheid wusste. Ich schaute trotzdem auf dem Rangierplan nach und stellt die richtige Weiche. Da rief er mir zu, dass dies die falsche Weiche wäre. Ich gehorchte und stellte die andere. Als der Wagenführer zurücksetzte, rief er plötzlich wieder, dass es die falsche sei. Ich musste also das ganze Manöver wieder rückgängig machen und die andere Weiche stellen. Langsam wurde ich wütend und auch lief die Zeit davon. Da meinte er spöttisch, dass er keiner von denen wäre, die den Billetteusen ihr Köfferli nachtragen. Da ging mein Barometer erst recht auf Hundert und ich sagte ihm alle erdenklichen Namen, die ich an dieser Stelle lieber nicht alle aufzähle. Der Wagenführer lachte und meinte: «Endlich hat es einmal eine diesem Schnösel gezeigt.» Dieser Schnösel und ich wurden später gute Kollegen.

Be 4/4 430 mit B 1433, 1430 und 1432
An diesem verregneten Montag, dem 31. Mai 1965, rangiert der Be 4/4 406 seinen Anhänger B 1433 auf eines der beiden Abstellgleise in der Rosental Schlaufe.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen

Die schnellste Billeteuse

Es gab viele Kollegen, die über uns Frauen herzogen, und auch viele Eheprobleme. Ein Depotarbeiter sagte einmal zu mir: «Weisst du, was einige über dich sagen?» Eigentlich wollte ich es gar nicht wissen, doch er sagte, dass es eigentlich nichts Schlimmes sei. Natürlich nahm es mich wunder. «Ich sei die schnellste Billetteuse», verriet er. Das stimmte, denn wenn der letzte aussteigende Fahrgast auf dem zweiten Trittbrett stand, schloss ich bereits die Tür. Manch einer musste dann den Po einziehen. Wir waren deshalb auch selten zu spät.

Weil ich einmal selbst die Finger einklemmte, öffnete ich nach dem Signal zur Abfahrt keine Türe mehr und betätigte das Haltesignal für den Tramführer nur in den allerdringendsten Notfällen, um Ähnliches zu vermeiden. Zudem kam dazu, dass alle sechs Minuten ein Tram oder Bus kam, so musste ein Herbeieilender nicht sehr lange warten.

Zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2026 von Dominik Madörin