Die Ausdehnung des TARIFVERBUND BASEL auf den Bartarif erforderte eine neue Geräte-Generation.
Autelca BE-40/RS Nr. 638 im Originalzustand mit 32 Tasten. Aufnahme im Herbst 1984 in Aesch.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. -)

Als erster Schritt auf dem Weg zum TARIFVERBUND BASEL – und später zum Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) – wurde im Jahre 1975 ein Gemeinschaftstarif zwischen den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) und der Vororts-Strassenbahnlinie 10 der Baselland Transport AG (BLT), der ehemaligen Birseckbahn,  eingeführt. Für eine weitere Ausdehnung des Verbundbereichs war jedoch die Entwicklung eines neuen Tarifsystems erforderlich. Das Gebiet des geplanten TARIFVERBUND BASEL wurde deshalb in Zonen eingeteilt, die je nach Fahrstrecke wiederum zu Zonengruppen zusammengefasst worden waren. Auf den 1. Juni 1978 konnten auf dieser Basis die Vororts-Bahnlinie 17 (ehemals Birsigthalbahn AG) sowie die BLT-Buslinien 61 und 62 in den Tarifverbund integriert werden, zunächst allerdings nur im Abonnementsektor.

Der bisherige Einheitstarif bei den Abonnementen wich also einem Zonentarif. Der Bartarifsektor (Einzelbillette, Mehrfahrtenkarten und Tageskarten) konnte hingegen vorerst noch nicht auf weitere Linien ausgedehnt werden, da keine Billettautomaten vorhanden waren, welche Fahrausweise mit mehr als nur drei Tarifstufen für Fahrten ins ganze Verbundgebiet ausgeben konnten. Daher sollten bis zu 310 der ab 1968 beschafften, dreistufigen Geräte Sadamel / Autelca BE 1-3 bzw. BEM der BVB und BLT für die Ausgabe von Fahrausweisen bis zu acht Preisstufen umgebaut werden. Ferner mussten die seinerzeit von der ehemaligen Birsigthalbahn AG (BTB) beschafften Automaten des Typs Autelca BE 1-14/28 RK mit neuen Entwerter-Einheiten ausgerüstet werden.

Zum Umbau alter Automaten kam es aus Kostengründen schliesslich nicht. Man erachtete es als ausreichend, lediglich an fünfzig Haltestellen neue, verbundtaugliche Verkausgeräte für Reisen ins Umland aufzustellen. An Haltestellen ohne solche Geräte musste der Fahrgast zunächst ein Billett bis zu einem Umsteigepunkt lösen, an dem ein Verbundautomat vorhanden war. Dort konnte er ein Anschlussbillett beziehen, wobei der bereits bezahlte Betrag angerechnet werden konnte. Eine wenig kundenfreundliche Lösung!

Da die neuen Automaten in erster Linie benötigt wurden, um neben Zielen im Stadtnetz der BVB weiter entfernte Destinationen im Baselbiet zu erreichen, übernahm der Kanton Basel-Landschaft das Evaluations- und Beschaffungsverfahren und kam auch für die Investitionskosten auf. Folgende Anforderungen sollte das Gerät erfüllen:

  • 10 Preisstufen Vollpreis (Erwachsene)
  • 10 Preisstufen ermässigter Preis (Kinder, Hunde usw.)
  • selbstnachfüllende Rückgeldautomatik
  • Ausgabe und Entwertung von Mehrfahrten- oder Sonderkarten mit einer Papierstärke von 350 g/m2

Lediglich die Firma Autelca AG aus Gümligen verfügte bereits über ein Gerät, welches mit geringen Anpassungen für die Region Basel geeignet war. Es handelte sich um den Typ B-28/RS, von welchem Autelca 500 Exemplare nach DE-Stuttgart liefern konnte. Dort wurde 1978 der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) eingeführt. Der aus dem Stuttgarter Modell für Basel weiterentwickelte Typ BE-40/RS unterschied sich insbesondere durch den eingebauten Entwerter und die Möglichkeit, um mit bis zu 40 Produktwahltasten (Stuttgart max. 28) versehen werden.

Das auf einen Sockel aus rostfreiem Stahlblech aufgesetzte Gehäuse bestand aus zwei Millimeter dickem, stellenweise mit Profilen verstärktem Stahlblech (Türe 3 mm). Ein Beleuchtungsaufsatz mit Dämmerungsschalter und einer 40-Watt-Fluroreszenzröhre bildete den oberen Abschluss. Die vierseitig verriegelbare Türe verfügte über ein aufbohrsicheres Zentralschloss und gab den Zugang zu sämtlichen Baugruppen frei. Einbruchversuche lösten einen Alarm aus. Eine thermostatgesteuerte Heizung mit 150 Watt stellte auch bei nasskaltem Wetter einen zuverlässigen Betrieb sicher.

Den grössten Teil der Gerätefront nahmen Netzplan und Bedienungsanleitung ein. Im rechten Bereich waren Saldoanzeige, Geldeinwurf sowie – unter grün blinkendem Leuchtpfeil – 32 Produktwahltasten angeordnet. Billette, Mehrfahrtenkarten und Rückgeld wurden in einer gemeinsamen, beleuchteten Ausgabeschale mit Plexiglasklappe ausgegeben. Im linken Bereich der Front befand sich der Schlitz für die Entwertung von Mehrfahrtenkarten. An einer Schmalseite des Geräts war ein alphabetisches Haltestellenverzeichnis mit Tarifstufen angebracht.

Technische Daten bei Inbetriebnahme:

Typenbezeichnung: BE-40/RS
Anzahl Geräte: 53 (1. Serie), 19 (2. Serie)
In Betrieb: 1980–2009

Hersteller: Autelca AG
Anschaffungskosten/Gerät: ca. CHF 30’000.– (1. Serie), ca. CHF 35’000.– (2. Serie),

Höhe mit Sockel: 2’000 mm
Breite: 900 mm
Tiefe (über Beleuchtungsvorsatz): 550 mm

Einzelbillette: Ja
Anzahl Tarifstufen Einzelbillette: 2×10 zuzügl. 2x Sonderbillett und 2x Tageskarte
Entwerter: Ja
Mehrfahrtenkarten-Ausgabe: Ja
Mehrfahrtenkarten-Sortiment: 6 zuzügl. 2x Sonderkarte

Währung: Schweizer Franken
Münzakzeptor: Ja
Notenakzeptor: Nein
Bargeldlose Zahlung: Nein
Rückgeld: Ja (selbstnachfüllend)
U-Abo-Card: Nein

Anzeigen: 1
Anzeigentyp: 7-Segment-LED 4-stellig (später teilweise LCD)
Bedienerinterfaces: Drucktasten
Druckwerk Einzelbillett-Einheit: 7-Nadeldrucker/Farbband
Druckwerk Entwerter-Einheit: Typenwalzen/Farbband
Druckwerk Kartenausgabe-Einheit: 7-Nadeldrucker/Farbband

Die beiden im Innern des Gehäuses übereinander montierten Druck- und Ausgabe-Einheiten für Billette und Mehrfahrtenkarten verfügten über neuentwickelte, frei programmierbare Nadeldrucker mit selbstnachschärfenden Schneidevorrichtungen. Die Drucker arbeiteten mit sieben Nadeln und druckten 200 Zeichen in der Sekunde. Das auf zwei voneinander unabhängigen Rollen für Billette und Mehrfahrtenkarten vorgehaltene Papier war bis auf das Wasserzeichen als Sicherheitsmerkmal unbedruckt und somit weitgehend wertlos.

Einzelbillett BE-40/RS
Einzelbillett zu 90 Rappen, entsprechend Tarifstufe 1 (Erwachsene) bzw. 2/3 (ermässigt). Das Billett wurde am 23. Mai 1981 um 17:26 Uhr bei dem in Kleinhüningen (KH) stehenden Gerät Nr. 526 bezogen. Um 1988 entfiel die Standortnummer zugunsten eines Aufdrucks der Anzahl durchfahrbarer Zonen. Schon zuvor war Zeitangabe um einen Doppelpunkt ergänzt worden.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen

Das Autelca Münzverabreitungssystem Typ RS war in der Lage, durch ein und denselben Eingabeschlitz mit elektro-mechanischer Verriegelung bis zu sechs Münzen verschiedener Wertigkeit aufzunehmen. Eine dem Einwurf folgende Einrichtung schied automatisch verbogene Münzen oder Fremdkörper wie Zündhölzer, Papier usw. direkt in die Ausgabeschale aus. Der Münzprüfer nutzte Verfahren zur Analyse von Volumen, Legierung und Grösse der Geldstücke. Eine Dosiereinrichtung verhinderte, dass mehrere Münzen gleichzeitig eingeworfen werden konnten.

Die selbstnachfüllende Rückgeldeinrichtung war für die Speicherung von sechs Münzwerten eingerichtet. Die einzelnen, als drehbare Trommeln ausgeführten Münzspeicher dienten sowohl der Zwischen- als auch der Nachfüllspeicherung. Eingeworfene Münzen wurden durch eine Vorwärts-Drehung der Trommel zwischengespeichert. Durch eine Rückwärtsdrehung wurde dieselbe Münze wieder zurückgegeben. Erst nach Ende des Verkaufsvorgangs wurde die Zwischenspeicherung aufgehoben und die eingeworfenen Münzen zur Nachfüllung der Trommel verwendet. Bei voller Trommel fiel bei jeder Vorwärtsbewegung eine Münze in die Hartgeldkasse. Die Münzen waren radial am Umfang der Trommeln in einzelnen Fächern angeordnet. Die Trommeln verfügten über folgende Kapazitäten:

  • 200 Stk. Fr. 0.10
  • 160 Stk. Fr. 0.20
  • 200 Stk. Fr. 0.50
  • 160 Stk. Fr. 1.00
  • 120 Stk. Fr. 2.00
  • 120 Stk. Fr. 5.00
  • Total max. Fr. 1152.00

Zur Erhöhung des Wechselgeld-Vorrats waren Münzzusatzspeicher eingebaut, obwohl der Automat auch mit nicht gefüllter Rückgeldeinrichtung voll funktionsfähig war.

Beim Betätigen der Tariftaste wurde über über eine 7-Segment-LED-Anzeige der entsprechende Preis vierstellig mit Punkt angezeigt. Die vertieft angebrachte Anzeige war auch bei heller Umgebung gut ablesbar und zeigte zudem die Betriebsbereitschaft sowie die Aufforderung zum passend Zahlen bei ungenügendem Rückgeldbestand an.

Die elektronische Zentraleinheit basierte auf einem 8-Bit-Mikroprozessor Intel 8085. Sie steuerte Preisanzeige, Drucker, Münzprüfung usw. und war in der Lage, Transaktionen, Münzeingänge und Geldfehler zu erfassen und als Statistiken auszugeben. Die Mikroprozessorlogik bot zudem eine hohe Flexibilität bei der Festlegung der Fahrpreise und ermöglichte programmierbare Tarifänderungen auf einen Stich-Zeitpunkt. Als Preisspeicher diente ein EPROM mit 256 Byte für 60 alte und 60 neue Preise. Eine Servicetastatur und -anzeige im Geräteinnern diente zur Programmierung sowie zur Anzeige von Fehlercodes. Eine Notstromversorgung war nicht vorhanden. Die Datenspeicherung und Weiterbetrieb des Uhrwerks wurden durch Trockenbatterien sichergestellt.

Die Entwerter-Einheit war als autonome Baugruppe ausgeführt und nicht an die Zentraleinheit angebunden. Es handelte sich dabei um dieselbe Bauart, wie bei den älteren Geräten SADAMEL / Autelca BE 1-3 bzw. BEM mit Typenrad-Drucker.

Aufstellung und Betrieb

Im Sommer 1980 lieferte Autelca die 53 im Juli 1979 bestellten Tarifverbund-Automaten. Fünfzig der in auffälligem Rot lackierten Geräte wurden umgehend an wichtigen Haltestellen, vorwiegend im Stadtgebiet, aufgestellt, um den Tarifverbund per 1. September 1980 auf den Bartarifsektor ausdehnen zu können. Drei Automaten blieben als Reserve.

Für den teilweisen Ersatz der Billettautomaten mit Mehrfahrtenkarten-Ausgabe der ersten Generation von 1971 (Typ SADAMEL / Autelca BEM) benötigten die BVB Mitte der Achtzigerjahre weitere 19 Exemplare des bewährten Typs Autelca BE-40/RS 1). Die ab 1986 gelieferten Geräte der zweiten Serie erschienen im vertrauten BVB-Grün und wiesen – nicht zuletzt im Hinblick auf die Einführung des Tarifverbund Nordwestschweiz per 1. Juni 1987 – einige Änderungen auf. Das alphabetische Haltestellenverzeichnis war nun nicht mehr auf einer Seitenwand, sondern zentral auf der Frontplatte angebracht. Produktwahltasten waren 34 vorhanden; die grünen Leuchtpfeile entfielen. Als Druckwerk der Entwerter-Einheit diente nun ebenfalls ein Nadeldrucker mit einer Schrifthöhe von 2,9 Millimetern. Eine vierstellige LCD-Anzeige zeigte Ticketpreis und Restbetrag an. Die Geräte der ersten Generation wurden in den folgenden Jahren entsprechend angepasst und umlackiert.

Kurz nach der Jahrtausendwende begann sich der TNW mit Fragen zu neuen Vertriebstechnologien zu befassen, da die im gesamten Verbundgebiet verteilten Billettautomaten durchschnittlich rund zwanzig Jahre alt und nicht mehr weiterentwicklungsfähig waren. Gleiches galt ferner auch für die Kiosk- und Chauffeurverkaufsgeräte. In einem Gemeinschaftsprojekt aller beteiligten Verbundpartner erfolgte daraufhin die Beschaffung von 550 Automaten neuester Generation, womit bis 2009 sämtliche Autelca-BE-40/RS-Geräte ersetzt werden konnten.

Autelca BE-40/RS
Zu den 53 im Jahre 1980 beschafften Autelca BE-40/RS kamen 1986 weitere 19 Exemplare hinzu. Das abgebildete Gerät mit der Nummer 130 ist eines von diesen.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. -)

1) Einige SADAMEL / Autelca BEM wurden durch einfachere Autelca B-8020 ohne Kartenausgabe ersetzt.

Aufstellorte Tarifverbund-Automaten Autelca BE-40/RS (1. Serie)

ab 1980

Haltestelle Richtung Nummer
1 Aesch – (Endhaltestelle) 638
2 Aeschenplatz Bankverein (Linie 15) 421
3 Aeschenplatz Reigoldswil 28
4 Allschwil – (Abfahrtshaltestelle) 314
5 Allschwilerplatz Brausebad 330
6 Badischer Bahnhof Gewerbeschule 377
7 Bahnhof SBB Aeschenplatz 504
8 Bankverein Aeschenplatz 418
9 Barfüsserplatz Theater/Bankverein 349
10 Brausebad Schützenmattstrasse 334
11 Breite Bären 29
12 Burgfelden Grenze – (Endhaltestelle) 535
13 Burgfelderplatz Hegenheimerstrasse 490
14 Claraplatz Rheingasse 363
15 Clarastrasse Claraplatz 367
16 Eglisee Hirzbrunnen 379
17 Feldbergstrasse Kaserne 517
18 Habermatten Niederholz 382
19 Heiliggeistkirche Grosspeterstrasse 429
20 Inselstrasse Ciba 528
21 Kannenfeldplatz Burgfelderplatz 260
22 Kantonsspital Predigerkirche 179
23 Kirchmatt Breite 25
24 Kleinhüningen – (Endhaltestelle) 526
25 Luzernerring Felix Platter-Spital 537
26 Lyss Schützenmattstrasse 274
27 Margarethen IWB 707
28 Marktplatz Barfüsserplatz 355
29 Morgartenring Allschwilerplatz 328
30 Mustermesse Clarastrasse 370
31 Muttenz Schützenstrasse 674
32 Neubad Laupenring 725
33 Neuweilerstrasse – (Endhaltestelle) 729
34 Pratteln – (Abfahrtshaltestelle) 686
35 Reinach Landererstrasse 628
36 Rheingasse Schifflände 361
37 Riehen Dorf Weilstrasse 390
38 Riehen Grenze – (Endhaltestelle) 397
39 Schifflände Marktplatz 359
40 Schulstrasse Bären 568
41 Schützenhaus Rütimeyerplatz/Wielandplatz 124
42 Solothurnerstrasse Tellplatz 460
43 Spalentor Bernoullianum 119
44 St. Jakob Zeughaus 660
45 St. Johanns-Tor Johanniterbrücke 410
46 St. Louis Grenze – (Endhaltestelle) 400
47 Tellplatz Solothurnerstrasse 458
48 Voltaplatz Mülhauserstrasse 406
49 Wettsteinplatz Mustermesse 136
50 Zoo Dorenbach Margarethen 204

Zuletzt aktualisiert am 24. Januar 2026 von Dominik Madörin