Autelca B-8020 oder B-8021 bei der Tramhaltestelle Hechtliacker. Dieser Automatentyp ohne
Mehrfahrtenkarten-Ausgabe stand in der Region Basel zwischen 1986 und 2009 im Einsatz.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. -)

Um rund die Hälfte der dreistufigen Billettausgabe- und Entwertungsautomaten SADAMEL / Autelca BE 1-3 bzw. BEM aus den Jahren 1968 bis 1971 ersetzen zu können, leiteten die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) Mitte der Achtzigerjahre die Beschaffung neuer Geräte ein. Dies geschah, obwohl nach der Einführung des Umweltschutz-Abonnements per 1. Februar 1984 bereits ein Rückgang der Einnahmen aus dem Bartarif festgestellt werden konnte.

Die Neubeschaffung war jedoch von strategischer Bedeutung im Hinblick auf die geplante Erweiterung des TARIFVERBUND BASEL zum Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) durch Einbezug der Waldenburgerbahn AG (WB), der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und verschiedener Buslinien. Voraussetzung dafür war eine ausreichende Zahl verbundtauglicher Automaten mit einer grossen Vielfalt an Tarifstufen. Ebenso sollten Tageskarten, Sportbillette und Regiobillette ausgegeben werden können.

Die Wahl fiel auf das Modell B-8020 der Firma Autelca AG, Gümligen, nachdem ab Ende 1984 bei der Haltestelle Redingstrasse der BVB-Buslinie 36 ein entsprechendes Mustergerät erprobt worden war (Automat Nr. 231).

Normales Einzelbillett 1 Zone von 1988, ausgegeben von einem B-8020 an der Haltestelle Ciba der Tramlinie 14 (Format 30,0 x 76,2 mm).
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen

Autelca entwickelte zu Beginn der Achtzigerjahre als Ergänzung zu ihren bestehenden Produkten eine neue Generation von Billettautomaten. Die Geräte der Serie B-80xx zeichneten sich durch einen einheitlichen Aufbau der Steuerung, freie Programmierbarkeit und neuen Schnittstellen für Datenmutierung und -abfrage aus. Der Typ B-8020 war für den stationären Einsatz an Haltestellen vorgesehen und verfügte über eine selbstnachfüllende Rückgeldautomatik sowie – in der Ausführung für Basel – über einen eingebauten Entwerter. Das Gerät bestand aus folgenden Hauptkomponenten bzw. Baugruppen:

  1. Sockel
  2. Gehäuse
  3. Stromversorgung
  4. Elektronische Zentraleinheit
  5. Münzverarbeitungs- und Rückgeldsystem
  6. BUCO-Speicher
  7. Billettausgabe-Einheit
  8. Entwerter-Einheit
  9. Preisanzeige
  10. Tarif- und Service-Tastatur
  11. Alarmanlage
  12. Heizeinheit

Der Sockel aus rostfreiem Stahlblech liess sich auf bestehende Fundamentsockel der zu ersetzenden BE 1-3 bzw. BEM-Automaten montieren und nahm das Speisegerät auf. Das darauf aufgesetzte einbrennlackierte Gehäuse war aus zwei Millimeter dickem Stahlblech gefertigt (Türe 3 mm). Aufbruchversuche lösten einen Alarm aus.

Das Münzverarbeitungssystem bestand aus einem Einschlitzeinwurf mit Fremdkörperabweiser, elektronischem Münzprüfer – welchen der einstige Münztelefon-Pionier Autelca merkwürdigerweise von einem ausländischen Drittanbieter zukaufte – Sortierer, Restgeldspeichern und Kassenbehälter. Das Rückgeldsystem ergänzte seinen Münzvorrat laufend mit eingeworfenen Münzen. Als Speicher standen vier Münztrommeln für 10-, 20- und 50-Rappen-Stücke sowie für Einfränkler zur Verfügung. Eine zusätzliche Trommel diente als Münzkippe für die übrigen Münzen. Überläufe der einzelnen, 70 Münzen fassenden Trommeln fielen automatisch in den Kassenbehälter. Zur Erhöhung des Wechselgeld-Vorrats waren die Geräte mit zwei Münzzusatzspeichern (als BUCO-Speicher, engl. Bulk Coin Storage Unit bezeichnet) für 10- und 20-Rappen-Stücke ausgestattet.

Kern der Billettausgabe-Einheit war ein grafikfähiger Nadeldrucker mit sieben Einzelnadeln, welcher die Billette mit Tarif-, Datum-, Zeit- und Standortcode-Aufdruck versah. Der Drucker verfügte über eine integrierte Papiertransport- und Schneideeinrichtung. Der Papiervorrat befand sich auf einer Rolle.

Die auf der linken Seite des Automaten eingebaute Entwerter-Einheit war als autonome Baugruppe ausgeführt. Als Druckwerk diente ebenfalls ein Nadeldrucker für eine Schrifthöhe von 2,9 mm.

Eine elektronische Zentraleinheit, basierend auf einer 16-Bit-CPU Intel 8088 steuerte Preisanzeige, Münzprüfung, Drucker usw. Die Zentraleinheit erfasste zudem sämtliche Transaktionen, Münzeingänge und Geldfehler 1). Daraus abgeleitete Statistiken dienten für Abrechnungszwecke und liessen Schätzungen der Fahrgastzahlen pro Station zu. Fehlfunktionen wurden ebenso erkannt und entsprechende Fehlercodes ausgegeben. Eine Tarif- und Servicetastatur diente zur Programmierung von Parametern.

Als Neuerung wurde das alphabetische Haltestellenverzeichnis statt auf der Seitenwand in übersichtlicherer Form auf der Frontplatte angebracht. Nach der Tarifwahl zeigte die vierstellige LCD-Preisanzeige den zu bezahlenden Betrag an. Beim Einwerfen von Münzen zählte das Display herunter und zeigt den geschuldeten Betrag an. Fahrkarte und Rückgeld wurden über eine gemeinsame Ausgabeschale ausgegeben. Dank einer Multitaste konnten mehrere Einzelbillette in einem Vorgang bezahlt werden.

Autelca B-8020 / B-8021
Innenansicht eines Autelca B-8020 / B-8021:
1. Sockel
2. Gehäuse
(3. Stromversorgung)
4. Elektronische Zentraleinheit
5. Münzverarbeitungs- und Rückgeldsystem
6. BUCO (2 x)
7. Billettausgabe-Einheit
8. Entwerter-Einheit
9. Preisanzeige, darunter Einschlitz-Geldeinwurföffnung
10. Service-Tastatur
(11. Alarmanlage)
12. Heizeinheit
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. -)

Technische Daten bei Inbetriebnahme:

Typenbezeichnung: B-8020 bzw. B-8021
Anzahl Geräte: 200 (B-8020) bzw. 205 (B-8021) (nur BVB)
In Betrieb: 1986–2009

Hersteller: Autelca AG
Anschaffungskosten/Gerät: ca. CHF 22’200.– (B-8020) bzw. 27’300.– (B-8021)

Höhe mit Sockel: 1’800 mm
Breite: 750 mm
Tiefe (über Beleuchtungsvorsatz): 470 mm

Einzelbillette: Ja
Anzahl Tarifstufen Einzelbillette: 2×9, zuzügl. Sonderbillette und Tageskarten
Entwerter: Ja
Kartenausgabe: Nein
Kartensortiment: –

Währung: Schweizer Franken
Münzakzeptor: Ja
Notenakzeptor: Nein
Rückgeld: Ja
Bargeldlose Zahlung: Nein (B-8021 vorbereitet)
U-Abo-Card: Nein

Bedienerinterface Kunde: Drucktasten
Anzeigen: 1
Anzeigentyp: 7-Segment LCD 4-stellig
Druckwerk Einzelbillett-Einheit: Nadeldrucker/Farbband
Druckwerk Entwerter-Einheit: Nadeldrucker/Farbband
Druckwerk Kartenausgabe-Einheit: –

Am 18. April 1985 stimmte der Basler Grosse Rat der Beschaffung von 200 neuen Billettautomaten des Typs B-8020 zu. Autelca lieferte ab Januar 1986 in monatlichen Tranchen à 40 Stück. 198 Geräte wurden sukzessive an Haltestellen von BVB-Linien aufgestellt, zwei hielt man als Reserve zurück. Die Standortnummern wurden in der Regel vom zu ersetzenden SADAMEL / Autelca BE 1-3 bzw. BEM übernommen.

Tageskarte 1987
Die B-8020 und B-8021 der BVB und der anderen Tarifverbund-Partner waren dafür eingerichtet, neben normalen Billetten für einfache Fahrten auch Spezialbillette und 2. Klasse-Tageskarten auszugeben (HARD = Ausgabehaltestelle Hardstrasse).
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen

Gegen Ende der Achtzigerjahre liess sich der Ersatz der rund 200 noch immer in Betrieb stehenden, dreistufigen Automaten BE 1-3 nicht länger hinauszögern. Aufgrund der positiven Erfahrungen der BVB mit den Geräten des Typs B-8020 konnte auf ein umfangreiches Evaluationsverfahren verzichtet werden. Jedoch nahm der bargeldlose Zahlungsverkehr in der Schweiz damals rasant zu, während die bereits seit Längerem erwogene Einführung einer Zehnfranken-Münze definitiv nicht zustande kam. Daraus ergaben sich Fragen zu der Ausstattung der neuen Geräte. Aufgrund des Tarifgefüges – mit dem Regio-Billett wurde lediglich ein Fahrausweis mit einem Preis über zehn Franken ausgegeben – verzichtete man auf den Einbau eines Notenakzeptors. Hingegen sollten die neuen Automaten für den bargeldlosen Zahlungsverkehr vorbereitet werden, was den Einbau entsprechender elektrischer und mechanischer Schnittstellen, eines grösseren Datenspeichers sowie einer leistungsfähigeren Stromversorgung erforderte. Autelca führte die weiterentwickelten Geräte unter der Typenbezeichnung B-8021.

Nach dem entsprechenden Grossratsbeschluss vom 17. Mai 1989 konnte die Bestellung weiterer 205 Billettautomaten getätigt werden. Diese wurden bis 1994 schrittweise geliefert und installiert. Im selben Zeitraum beschafften auch andere Betriebe im Verbundgebiet Geräte desselben Typs:

  • Baselland Transport AG (Farbe orange)
  • Autobus AG, Liestal (ca. 11 Geräte, Farbe grün-beige)
  • Waldenburgerbahn AG (ca. 20 Geräte, Farbe orange)

Im Hinblick auf die Einführung der europäischen Einheitswährung EURO auch in Bargeldform rüstete die BVB-eigene Werkstätte sechs Billettautomaten für die Annahme von EURO-Münzen um. Diese Geräte wurden ab Januar 2002 an folgenden, stark von auswärtigen Fahrgästen frequentierten Haltestellen aufgestellt:

  • Riehen Grenze
  • Badischer Bahnhof
  • Messeplatz
  • Schifflände (Haltestelle Metro Cars-Linien 603 und 604)
  • Bahnhof SBB
  • EuroAirport

Nach rund zwanzig Jahren TNW hatte das alte Vertriebssystem die maximale Nutzungsdauer erreicht und war nicht weiter entwicklungsfähig. Sämtliche B-8020- und B-8021-Automaten wurden daher zwischen 2007 und 2009 durch neue Geräte Typ AFA 490 des deutschen Herstellers ATRON electronic GmbH ersetzt. Eine Nachrüstung der B-8021 mit Kartenlesegeräten erfolgte übrigens nie.


1) Ein Beispiel für einen Geldfehler wäre, wenn ein Fahrgast Geld in einen Fahrkartenautomaten einwirft, dieser jedoch aus irgendeinem Grund ausfällt, ohne Billett aus- oder Geld zurückszugeben.

Zuletzt aktualisiert am 8. April 2026 von Dominik Madörin