Ursprünglich besassen die Sommer-Anhängewagen der Basler Strassenbahnen eine gelbe Farbgebung mit vermutlich grünen Einfassungen. Um 1908 steht der C 287 als Vertreter der Teilserie C 265–293 vor dem Depot Wiesenplatz.
© B.St.B. (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)
Bereits 1897 wurde die Einführung von seitlich offenen Anhängewagen angeregt, etwa durch Leserbriefe in lokalen Zeitungen. Die Direktion der Basler Strassenbahnen (B.St.B.) hatte sich diesem Wunsch nicht verschlossen und stellte in den Jahren 1900 bis 1912 insgesamt 43 sogenannte «Sommerwagen» in Dienst. Nur vierzehn davon bestellte man bei der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft (SIG). Die übrigen 29 Wagen entstanden über Jahre hinweg in der Werkstätte der B.St.B. nach Plänen der SIG. 1907 bauten die B.St.B. sogar zwei zusätzliche Fahrzeuge für die Münsterschlucht-Bahn im Elsass 1).
Die Nummerierung schloss zunächst an die zuletzt gelieferten Motorwagen Ce 2/2 51–83 an. 1902 wurden den geschlossenen Anhängewagen die Nummern ab 201 und den offenen die Nummern ab 251 zugewiesen. Infolgedessen erhielten die C 84–97 die Nummern 251 bis 264 und die ab 1902 in Betrieb genommenen Wagen wurden als C 265–293 eingereiht. 1954–55 erfolgte eine erneute Umnummerierung in C 1051ff.
Die zweiachsigen Anhängewagen einfachster Konstruktion verfügten über einen Radsatzabstand von 1’800 mm und eine einstufige Abfederung mittels Blattfedern. Zur Verhinderung von Durchzug waren sie mit verglasten Stirnwänden ohne Durchgangstüren versehen. Die Fenster konnten anfänglich geöffnet werden. Die acht von der Industrie gebauten Wagen C 84–91 sowie die B.St.B.-Eigenbauten C 265–293 erhielten einen gewölbten Dachaufsatz mit stirnseitigen, fest verschlossenen Fensterchen. Bei den 1901 von SIG gelieferten C 92–97 verzichtete man wohl aus Kostengründen darauf. Diese Wagen verfügten somit über ein gänzlich flaches Dach.
Ursprünglich wiesen die Sommerwagen sieben Quersitzreihen zu je vier Plätzen, insgesamt also 28 Sitzplätze, auf. Die durchgehenden Sitzbänke hatten in Fahrtrichtung umlegbare Rückenlehnen. Der Billeteur musste sich – wie bei Abteilwagen einiger Eisenbahnverwaltungen – auf dem auf der ganzen Längsseite verlaufenden Trittbrett von Reihe zu Reihe hangeln und die Fahrgäste von der Aussenseite her bedienen. Seitlich verhinderten Ketten ein Herausfallen der Passagiere. Vorhänge dienten zum Schutz bei schlechtem Wetter. Fünf Deckenleuchten bildeten die Innenbeleuchtung. Auf eine Wagenheizung sowie Signalleuchten wurde verzichtet. Als Bremse diente eine Handbremse, die auf vier aussenliegende Bremsklötze wirkte. Die C 92–97 bekamen versuchsweise Scheiben- statt Klotzbremsen. Ebenso im Rahmen eines Versuchs besass der erst 1912 in Betrieb genommene C 291 ein Radsatzabstand von 3’200 mm, freie Lenkachsen sowie eine Achtklotzbremse.
Die Farbgebung unterschied sich anfänglich vom übrigen, grün gestrichenen Rollmaterial und wurde «als in Holzmaserung gestrichen» bezeichnet (vermutlich ein Gelbbraunton).
Technische Daten bei Inbetriebsetzung:
Typenbezeichnung: C
Anzahl Wagen: 43
Wagennummern: 84 bis 97, 265 bis 293 (ab 1902 251 bis 293, ab 1954 1051…1079)
Im Linienbetrieb: 1901 bis 1960
Mechanischer Teil: SIG (C 84 bis 97), B.St.B. (C 265 bis 293)
Anschaffungskosten/Wg.: zwischen CHF 3’908.95 und CHF 5’837.00
Länge über alles: 8’000 mm
Breite: 2’000 mm
Höhe über Dach: 3’085 mm bzw. ca. 2’900 mm (C 92 bis 97)
Radsatzabstand: 1’800 mm (C 291 3’200 mm)
Taragewicht: 3’360 kg
Sitz-/Stehplätze: 28/8
Bremsen: Solenoidbremse, mechanische Handbremse
Um den Mangel an geschlossenen Anhängewagen zu mildern, bauten die B.St.B. ab 1921 die zwölf jüngsten Sommer-Anhänger C 282–293 – darunter auch den C 291 mit grossem Radsatz-Abstand – in der eigenen Werkstätte zu geschlossenen Wagen mit Mitteleinstieg um. Bei den übrigen Sommerwagen wurde durch die Entfernung der Sitzbank in der Wagenmitte eine Plattform geschaffen (neu 24 Sitzplätze) und Signalleuchten auf dem Dach montiert.
Zwischen 1929 und 1931 wurden bei allen Sommerwagen die durchgehenden Sitzbänke durch feste Quersitze in 2+1-Anordnung ersetzt. Die so geschaffene Fläche bot Platz für 33 stehende Fahrgäste, während sich die Zahl der Sitzplätze auf 18 reduzierte. Im selben Zeitraum wurden die optische Signalgebung sowie Dachrutenkupplungen nachgerüstet, die Beleuchtung angepasst, eine Sicherheitsbremse System BSI eingebaut und die Kettenabschrankung teilweise durch klappbare Stangen ersetzt. Durch die verschiedenen Modernisierungsmassnahmen erhöhte sich das Taragewicht auf rund 4’000 kg. Im Laufe der Zeit bekamen die Wagen auch einen grünen Anstrich.
Die Sommerwagen machten sich auf den meisten Linien nützlich und ersetzten in der warmen Jahreszeit die geschlossenen Anhänger, und zwar aus Komfortgründen! Sie zeichneten sich zudem durch ein relativ grosses Fassungsvermögen bei geringem Eigengewicht aus. Der rasche Fahrgastwechsel von jeder Quersitzreihe aus verkürzte die Haltestellenaufenthalte und machte die Wagen so zu idealen Fahrzeugen für den Spitzenverkehr. Ab etwa 1950 wurden sie jedoch nur noch auf Einsatzlinien während der Mustermesse oder für Gesellschaftsfahrten verwendet. Ein letztes Mal kursmässig verkehrten Sommer-Anhängewagen anlässlich der Mustermesse 1960. Ein Weiterbetrieb war aus betrieblichen Gründen und Sicherheitsüberlegungen nicht mehr zu verantworten.
Während des Zweiten Weltkriegs dienten einige Sommerwagen auch für Warentransporte, beispielsweise für den Allgemeinen Consumverein (ACV). Der C 265 wurde durch Gemüsetransporte allerdings derart in Mitleidenschaft genommen, dass er 1946 ausgemustert und abgebrochen werden musste. Die C 260 und 262 waren bereits 1938/39 zu offenen Aussichtswagen geworden. Die übrigen Sommer-Anhänger wurden bis 1966 abgebrochen.
Die meisten Sommer-Anhängewagen wurden bis 1966 abgebrochen. Lediglich der B2 1062 (seit 1970 wieder als C 281 bezeichnet) und der B2 1077 überlebten als betriebsfähige Museumswagen. Am 12. August 2012 sind beide hinter dem Be 2/2 156 in Allschwil unterwegs.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 22_28)
Lediglich die B2 1062 und 1077 überlebten als betriebsfähige Museumsfahrzeuge. Dabei wurde der B2 1062 in den Jahren 1969–70 für den Betrieb mit dem Jubiläumswagen Ce 2/2 4 angepasst. Dies umfasste nebst einer Neulackierung auch einen Umbau der Bremsanlage. Der Wagen erhielt wieder seine alte Nummer 281 und konnte nur noch hinter dem Ce 2/2 4 als Einrichtungswagen eingesetzt werden. 1997 abgestellt erfolgte 2011 nach erneutem Umbau und dem Einbau der Druckluftbremse die Wiederinbetriebnahme. Der B2 1077 bekam bereits 1979 eine Zweikammer-Druckluftbremse System Westinghouse und +GF+-Kupplungen.
1) Münster/Munster war von 1907 bis 1914 der Ausgangspunkt einer elf Kilometer langen, elektrischen Meterspurbahn, die die Hügel der Vogesen bezwang und zum Col de la Schlucht führte. Hier konnten die Fahrgäste die damalige deutsch-französische Grenze überqueren und einen anderen Schmalspurzug nach Gérardmer besteigen. Sowohl die Münsterschlucht-Bahn als auch deren westliche Fortsetzung wurden im Ersten Weltkrieg zerstört und nie mehr aufgebaut. Was mit den beiden Sommerwagen geschah, ist nicht bekannt.
Fahrzeugporträts
C 84
→ ab 1902 C 251, ab 1954 C 1051, ab 1956 B2 1051
Inbetriebsetzung: 1900
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Abbruch (Imfeld, Muttenz)
C 85
→ ab 1902 C 252, ab 1955 C 1052, ab 1956 B2 1052
Inbetriebsetzung: 1900
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Spielplatz Biberist, später abgebrochen
C 86
→ ab 1902 C 253, ab 1955 C 1053, ab 1956 B2 1053
Inbetriebsetzung: 1900
Ausmusterung: 1959
Verbleib: Abbruch (Imfeld, Muttenz)
C 87
→ ab 1902 C 254, ab 1954 C 1054, ab 1956 B2 1054
Inbetriebsetzung: 1900
Ausmusterung: 1966
Verbleib: 11. 1967 abgebrochen (Imfeld, Muttenz)
C 88
→ ab 1902 C 255, ab 1954 C 1055, ab 1956 B2 1055
Inbetriebsetzung: 1900
Ausmusterung: 1959
Verbleib: Abbruch (Imfeld, Muttenz)
C 89
→ ab 1902 C 256, ab 1954 C 1056, ab 1956 B2 1056
Inbetriebsetzung: 1900
Ausmusterung: 1966
Verbleib: Abbruch (Imfeld, Basel)
C 90
→ ab 1902 C 257, ab 1954 C 1057, ab 1956 B2 1057
Inbetriebsetzung: 1900
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Spielplatz Biberist, später abgebrochen
C 91
→ ab 1902 C 258, ab 1954 C 1058, ab 1956 B2 1058
Inbetriebsetzung: 1900
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Spielplatz Muttenz, 1972 abgebrochen
C 92
→ ab 1902 C 259, ab 1954 C 1059, ab 1956 B2 1059
Inbetriebsetzung: 1901
Ausmusterung: 1958
Verbleib: Abbruch (Schmoll, Basel)
C 93
→ ab 1902 C 260
Inbetriebsetzung: 1901/02
Ausmusterung: n/a (siehe C 260+262)
1938–39: Umbau zu offenem Aussichtswagen («Badwännli»)
C 94
→ ab 1902 C 261, ab 1954 C 1061, ab 1956 B2 1061
Inbetriebsetzung: 1902
Ausmusterung: 1959
Verbleib: Abbruch (Imfeld, Muttenz)
C 95
→ ab 1902 C 262
Inbetriebsetzung: 1902
Ausmusterung: n/a (siehe C 260+262)
1938: Umbau zu offenem Aussichtswagen («Badwännli»)
C 96
→ ab 1902 C 263, ab 1954 C 1063, ab 1956 B2 1063
Inbetriebsetzung: 1902
Ausmusterung: 1959
Verbleib: Abbruch (Imfeld)
C 97
→ ab 1902 C 264, ab 1954 C 1064, ab 1956 B2 1064
Inbetriebsetzung: 1902
Ausmusterung: 1959
Verbleib: Abbruch (Imfeld, Muttenz)
C 265
Inbetriebsetzung: 1902
Ausmusterung: 1946
Verbleib: Abbruch
C 266
→ ab 1955 C 1066, ab 1956 B2 1066
Inbetriebsetzung: 1902
Ausmusterung: 1959
Verbleib: Abbruch (Imfeld)
C 267
→ ab 1955 C 1067, ab 1956 B2 1067
Inbetriebsetzung: 1902
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Abbruch (Imfeld)
C 268
→ ab 1955 C 1068, ab 1956 B2 1068
Inbetriebsetzung: 1903
Ausmusterung: 1959
Verbleib: Abbruch (Imfeld)
C 269
→ ab 1955 C 1069, ab 1956 B2 1069
Inbetriebsetzung: 1903
Ausmusterung: 1959
Verbleib: Untergestell für Reklametischwagen X 2253, Kasten abgebrochen
C 270
→ ab 1955 C 1070, ab 1956 B2 1070
Inbetriebsetzung: 1903
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Abbruch (Imfeld)
C 271
→ ab 1954 C 1071, ab 1956 B2 1071
Inbetriebsetzung: 1903
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Spielplatz Voltastrasse, 1967 abgebrochen
C 272
→ ab 1954 C 1072, ab 1956 B2 1072
Inbetriebsetzung: 1905
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Abbruch (Imfeld)
C 273
→ ab 1955 C 1073, ab 1956 B2 1073
Inbetriebsetzung: 1905
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Abbruch (Imfeld)
C 274
→ ab 1955 C 1074, ab 1956 B2 1074
Inbetriebsetzung: 1905
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Spielplatz Horburgpark, 1967 abgebrochen
C 275
→ ab 1954 C 1075, ab 1956 B2 1075
Inbetriebsetzung: 1905
Ausmusterung: 1960
Verbleib: an Privat, Rodersdorf → 12.1992 an NBiK (Nr. 1075)
C 276
→ ab 1955 C 1076, ab 1956 B2 1076
Inbetriebsetzung: 1905
Ausmusterung: 1959
Verbleib: Abbruch (Imfeld)
C 277
→ ab 1955 C 1077, ab 1956 B2 1077
Inbetriebsetzung: 1905
Ausmusterung: –
C 278
→ ab 1954 C 1078, ab 1956 B2 1078
Inbetriebsetzung: 1906
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Abbruch (Imfeld)
C 279
→ ab 1954 C 1079, ab 1956 B2 1079
Inbetriebsetzung: 1906
Ausmusterung: 1960
Verbleib: an Fasnachtsclique «Clochards», später an Restaurant Paradies, Allschwil → 1965 abgebrochen
C 280
→ ab 1955 C 1060, ab 1956 B2 1060
Inbetriebsetzung: 19060
Ausmusterung: 1960
Verbleib: Abbruch (Imfeld)
C 281
→ ab 1955 C 1062, ab 1956 B2 1062, ab 1970 C 1062
Inbetriebsetzung: 1906
Ausmusterung: –
1997 bis 2011: Remisiert Depot Dreispitz
C 282
Inbetriebsetzung: 1906
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1922–23: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 283
Inbetriebsetzung: 1906
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1922–23: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 284
Inbetriebsetzung: 1907
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1922–23: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 285
Inbetriebsetzung: 1907
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1922: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 286
Inbetriebsetzung: 1907
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1922: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 287
Inbetriebsetzung: 1907
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1922: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 288
Inbetriebsetzung: 1908
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1922: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 289
Inbetriebsetzung: 1908
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1922: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 290
Inbetriebsetzung: 1908
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1922: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 291
Inbetriebsetzung: 1912
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
Musterwagen mit vergrössertem Radsatzabstand
1922–23: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 292
Inbetriebsetzung: 1908
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1922: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen
C 293
Inbetriebsetzung: 1908
Ausmusterung: n/a (siehe C 282–293)
1921: Umbau zu geschlossenem Mitteleinstiegs-Anhängewagen (Musterwagen)
Zuletzt aktualisiert am 4. April 2026 von Dominik Madörin












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